Fürsorge auf dem Gebiete des. Krankencomforts. 83
Ueberdächüng für den Kranken, welche sehr geeignet ist, um unange-nehme Eindrücke aus der Umgebung zeitweise einem Kranken fernzu-halten, aber auch, um den anderen Kranken eines Hospitalsaales denAnblick der Agonie zu entziehen. Schliesslich wäre hier noch einertechnischen Vorrichtung für das Krankenlager Erwähnung zu thun,welche, wenn sie auch in unserem Klima eine geringere Bedeutung be-ansprucht als in den Tropen, doch der Berücksichtigung werth erscheint,nämlich eines am Krankenbette anzubringenden Schutznetzes gegen In-sekten (Fliegen, Mosquitos etc.). In den heissen Ländern spielt dasaus einem dünnen gazeartigen Stoff hergestellte oder aus einem feinenMaschen werk bestehende Netz einen ausserordentlich wichtigen und un-erläßlichen Bestandteil des Krankencomforts (vgl. Zcitschr. f. Krankenpil.1894. pag. 20).
ß) Bekleidung der Kranken.
Die hauptsächlichsten Anforderungen, welche an eine zweckent-sprechende Krankenkleidung zu stellen sind, sind folgende:
1. darf die Kleidung weder zu warm, noch zu kalt sein; 2. musssie möglichst bequem sein, und 3. muss sie ebenso, wie alle übrigenObjecte, welche mit dem Kranken in Berührung treten, möglichstsauber und rein sein. In den Hospitälern hat es sich als eine Notb-wendigkeit herausgestellt, um diesen fundamentalen Ansprüchen ge-recht werden zu können, eine gewisse Normalkleidung für die Krankeneinzuführen. Eine solche Normalkleidung, bezw. besondere Anstalts-kleidung gewährt sehr mannigfache Vortheile.
Da die meisten Kranken, welche die öffentlichen Krankenhäuseraufsuchen, eine Kleidung mitbringen, welche nach allen drei Richtungenhin in den meisten Fällen unzureichend genannt werden muss, so er-kannte man es als dringend wünschenswerth, dass die neu aufgenom-menen Kranken sofort nach dem Eintritt sämmtliche ihnen gehörigeKleidungsstücke ablegen, sie an die Hospitalverwaltung zur Aufbewah-rung einliefern und dafür während der Dauer des Krankenhausaufenthalteseine geeignete, von der Hospitalverwaltung besorgte Krankenkleidunganlegen. Wenn man erwägt, wie wenig entwickelt und verbreitet nochin weiteren Kreisen der Bevölkerung richtige Vorstellungen über einezweckmässige Kleidung für gesunde Personen sind, so kann man sichnicht darüber wundern, dass das Verständniss für eine rationelle Be-kleidung Kranker in noch viel geringerem Maasse vorhanden ist. Werden ärztlichen Aufnahmedienst in den Krankenhäusern aus eigener An-schauung kennt, der wird wissen, wie sehr die Kranken selbst und ihreAngehörigen in dieser Hinsicht fehlen. Hochfiebernde. Kranke werdenhäufig ins Hospital eingeliefert, mit wollenen Decken, Tüchern, Shawlsund Federbetten bis über die Ohren zugedeckt; andererseits kommenwiederum nicht selten sehr schwache, elende und abgemagerteKranke vor Frost zitternd ins Krankenhaus, weil sie nur mit einer ganzmangelhaften, unzureichenden Bekleidung und Bedeckung versehen sind.
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