Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomtbrts. 13

hauptsächlich nur die allerein fachsten und primitivsten technischen Ein-richtungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten für die specicllcnZwecke der Krankenpflege ins Werk gesetzt wurden. Im wesentlichenbildeten den damaligen Krankencomfort derartige materielle Zurüstungen,welche aus leicht zu beschaffenden Objecten des Hausraths zu-sammengestellt wurden und deren kunstgerechte Herstellung und Anwen-dung am Krankenbette sich grösstenteils durch mündliche Ueberlicfcrungund Belehrung von Person zu Person fortpflanzte. Der Krankencomfortbeschränkte sich lange Zeit hindurch, abgesehen von der Verwendung derschon oben erwähnten einfacheren Geräthe, fast ausschliesslich auf den.Rahmen dessen, was wir heute als die Improvisationstechnik in derKrankenpflege zu bezeichnen pflegen. Alle complieirter gebautenund direkt, was Form und Bestandteile anlangt, für die Zwecke derKi'ankenpflege und ausschliesslich für diese geschaffenen Apparate undGeräthe fehlten bis gegen das Ende des vorigen Jahrhundertshin fast gänzlich. Ja, es ist sogar eine bemerkenswerthe Thatsache,dass die Fürsorge auf dem Gebiete des Krankencomforts, insofern sichuns dieselbe in der Art der Einrichtung und Ausstattung der zur Zeitvorhandenen Krankenanstalten am Treffendsten wiederspiegelt, und dieFortschritte der gesammten Krankenpflegetechnik sich besonders seit derMitte des 17. Jährhunderts, und seit dem 30jährigen Kriege in einemZustande dauernder Stagnation befanden. Weder bei den Behörden nochbei den damaligen Aerzten herrschte während der ersten zwei Dritteldes 18. Jahrhunderts ein regeres Inseresse dafür, die Krankenpflege undinsbesondere das Krankenhauswesen zu fördern und auf eine höhereStufe zu heben. Ausschliesslich in den Klöstern und geistlichen Hospi-tälern erhielt sich die Krankenfürsorge und die Krankenpflegetechnikauf anerkennenswerther Höhe. Die Folge davon war, dass an manchenOrten sich ein direkter Verfall in Bezug auf den Kankencomfortbemerkbar machte, dessen Niveau stellenweise sogar weit unter dasjenigefrüherer Zeiten herabsank - .

Die Hospitäler der Städte glichen vielfach mit ihren kahlen, schmuck-losen Mauern und den kleinen, das Sonnenlicht fernhaltenden Fenstern .düstern Gefängnissen, in welchen die Kranken in grossen, jeder An-nehmlichkeit entbehrenden Krankensälen mit 50100 Betten zusammen-gepfercht .wurden und oft selbst der nöthigsten Wartung und Pflege er-mangelten. Von einer den Kranken wohlthucnden Umgebung der Hospi-täler mit Garten an lagen, Baumpflanzungen, Springbrunnen, Säulenhallenzum Spazierengehen, wie sie. schon im 15. und 16. Jahrhundert einzelnekirchliehe Orden bei ihren Spitälern eingerichtet hatten, war damals inden grösseren Krankenanstalten der Städte keine Rede, ebensowenig voneiner den Bedürfnissen des Krankencomforts entsprechenden, freund-licheren inneren Ausstattung der Krankenräume. Diesen unerfreulichenZuständen wurde erst in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahr-hunderts wirksam entgegengetreten und zwar insbesondere von Seiteneiniger hervorragender Aerzte, welche erkannten, dass die überaus