JORDAN 3°-*
Auf diesen Bescheid, der eine Funktion, zu der die Behörde gsetzmäßig verpflichtet war, kurzer Hand verweigerte, antwortetJordan:
„Königsberg, den ßiten October i84 2 -
Hochwohlgeborener Herr, Hochzuverehrender Herr Oberpräsident-
In Folge des mir zugekommenen hohen Oberpräsidialbescheidesvom 26ten d. M. finde ich mich zu der nachstehenden gehorsamenErklärung und Bitte veranlaßt:
Ew. Hochwohlgeboren habe ich mein Manuscript ,Der GeisKönigsbergs und seine öffentlichen Charaktere' keineswegs vorglegt, um über dessen Zulässigkeit zum Druck zu entscheiden; denzu dieser Entscheidung dürfte zunächst nur der resp. Censor ersteInstanz befugt sein und dieser nicht übergangen werden können,so daß Hochwohldieselben erst dann berechtigt wären, mir gleicnfalls die Druckerlaubniß zu verweigern, wenn dies der erste Censobereits gethan und ich mich dabei noch nicht beruhigt hätte. ^> 3nun meines Wissens keine gesetzliche Bestimmung existirt, krauwelcher einer Schrift, sei sie welchen Inhalts sie wolle, und wärees selbst ein strafbarer, das Recht der Censur vorenthalten werdendürfte, was eine Censur der Censur wäre, so erlaube ich mir, bevorich höheren Orts mein Recht suche, Ew. Hochwohlgeboren noch-mals um geneigte Bestimmung eines Censors für das oben genannteManuscript zu bitten.
Hochachtungsvoll Ew. Hochwohlgeboren ergebenster
Dr. W. Jordan."
Jordan war mit seiner Bitte oder richtiger Forderung durchaus in 1Recht; aber Herr Bötticher blieb hartnäckig und antwortete post-wendend:
„Auf die Eingabe vom 31. v. M. erwiedere ich Ew. Wohlgeborenhiemit, daß, wenn Sie nicht schon in der Ablehnung der Censoren,die Schrift ,Der Geist Königsbergs' zu censiren, eine Verweigerungder Druckerlaubnis finden wollen, eine solche jedenfalls in meinerVerfügung vom 26. v. M. enthalten ist. Gegen diese höhern Orts z ureclamiren, kann ich Ihnen nur ergebenst anheimstellen, da ich michdurch den Inhalt Ihrer Eingabe nicht veranlaßt finden kann, vonmeiner Ihnen eröffneten Ansicht abzusehen."
In der mannigfaltigen Geschichte der Zensur steht dieser Fallmeines Wissens vereinzelt da: Oberpräsident Bötticher glaubte offen-bar eine Erfindung gemacht zu haben, kraft deren man sich diegesamte unbequeme Literatur radikal vom Halse schaffen konnte:man verweigerte überhaupt die Zensur; in Königsberg wenigstens