Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
814
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814 P. Kuppel,

rationssäle meistens polygonale oder halbkreisförmige, vor der Gebäude-front mehr oder weniger vorspringende Ausbauten erhalten, die mitdoppeltem Glasdach versehen werden.

Alle Anforderungen der Gesundheits- und Krankenpflege, die hinsicht-lieh der baulichen Ausgestaltung an einen Krankensaal zu stellen sind,müssen hier in erhöhtem Maass erfüllt werden. Fussboclon, Deckeund Wände bedürfen sehr häufig der Abspülung mit Wasser und anti-septischen Lösungen, überhaupt einer gründlichen Reinigung und Desin-fection. Für den Fussboden 5 welcher am meisten Widerstandsfähigkeitgegen Säure und Verunreinigungen durch Blut und Eiterflecken besitzenmuss, eignet sich besonders ein dichter Terrazzo (Granito) oder Fliescn-belag, während die Wände mindestens einen sorgfältig geglätteten Cement-putz mit Oel- oder Emailfarbenanstrich, besser aber eine Verblendung vonglasirten Steinen oder Kacheln, oder auch von Stuck erhalten. Auchdie Decke muss möglichst in derselben AVeise wie die Wände hergestelltwerden. Scharfe Ecken und Kanten, Vorsprünge, Gesimse und dergleichensind, wie in dem Krankensaal, sorgfältig zu vermeiden. In den Thüren,welche möglichst glatt aus Holz oder Eisen in genügender Breite (min-destens 1,50 m) herzustellen sind, dürfen keine Schwellen angebrachtwerden, weil diese für das Durchrollen von Betten und die Reinhaltungdes Fussbodens hinderlich sind.

Die im Fussboden anzubringenden, notwendigen Sielabflüsse er-halten Syphon-Vcrschlüsse und zweckmässig auch besondere Desinfections-vorrichtungen.

Da die Vermeidung von Staub im Operationssaal eine wichtige Rollespielt, so wird oft auf eine besondere Luftzuführung durch Wandkanäleu. clgi., wenigstens während der Operation, verzichtet. Die frische Luftführt stets etwas Staub, wenn auch in noch so geringen Mengen,mit sich, oder verursacht eine Bewegung des Staubes im Saal. Essollten aus diesem Grand, wenn irgend thunlich, auch Vorrichtungenzum Zerstäuben keimfreien AVassers, sowie von Wasser und Oarboldampfu. s. w. getroffen werden, wodurch Staub und sonstige für Operationengefährliche Beimengungen der Luft vollständig niedergeschlagen werden.

Die Lüftung des Operationssaales, welche jederzeit ausgiebig undsicher funetioniren muss, erfordert reichliche Abzugsvorrichtungen fürschlechte Luft, d. h. AVandkanäle, Decken-Fenster oder Klappen, Fenster-und Klappflügel, Jalousicen.

Zur Erwärmung des Operationssaales eignet sich besonders die Fuss-bodenheizung, welche aber meistens noch einer Unterstützung durchHeizkörper im Räume selbst, namentlich in den Fensterbrüstungen be-darf, um die Lufttemperatur auf 30° C. zu bringen, wie sie im Opera-tionssaal erforderlich ist. Mit Rücksicht auf die häufigen Spülungen derWände, sowie auf das unvermeidliche Absetzen von Staub auf denHeizkörpern werden die letzteren in der Regel dicht mit Marmor-oder Milchglasplatten, besser jedoch mit emaillirtem oder mit Emailfarbegestrichenem Eisenblech verkleidet.