Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
760
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760 F. Ruppel,

Krankenbaracken (Leprosorien) zu schützen, indem die ansteckendenKranken dort abgesondert wurden.

Mit der Entwickelung der Städte und in Folge der durch die ge-waltigen Epidemien gezeitigten Erkenntniss, dass die Unterbringung derKranken überhaupt in besonderen Gebäuden eine sociale Notwendigkeitsei, wuchs auch die Fürsorge für die Kranken selbst, die mehr undmehr von den kirchlichen Organen auf die Städte, fürstliche und privatePersonen (namentlich in England) überging und allmählich dazu führte, dassständige, allgemeine Krankenhäuser an vielen Orten eingerichtet wurden.

Freilich waren diese Krankenhäuser zunächst nur Sammelstellen fürKranke, welche letzteren ohne Rücksicht auf die Art ihrer Krankheitmeistens in grösseren Sälen vereinigt wurden. Auf eine reichlicheLichtzufub.ru ng, wie auf eine gute Lüftung in den Krankenhäusern wurdekaum mehr, als in gewöhnlichen Wohnhäusern, die oft genug hinsicht-lich dieser hygienischen Forderungen Mangel litten, Bedacht genommen.Man trug daher auch keine Bedenken, gemiethete oder gekaufte Wohn-häuser ohne Weiteres als Krankenhäuser einzurichten und diese nachBedarf und so gut es eben die Verhältnisse gestatteten, zu erweitern.

Je grösser hiernach die Anhäufung von Kranken in den Hospitälernwar, um so weniger konnten diese eine heilbringende Stätte für dieKranken sein.

Abgesehen von einzelnen besseren Anlagen in Deutschland, in denendie Kranken nach dem Vorbild vieler Anstalten in'Frankreich und Italien,in hoben, saalartigen Räumen untergebracht waren (Hospital zu Ou.esbei Trier), besassen die deutschen Krankenhäuser selbst bis weit indieses Jahrhundert hinein auch zu niedrige Räume, in denen bei unge-nügender Beleuchtung auf den einzelnen Kranken ein zu geringer Luft-raum entfiel. Die allgemeine Grundrissform der Krankenhäuser weistvielfach nicht nur einen, sondern eine grössere Anzahl ringsum ge-schlossener Höfe auf, welche einen genügenden Zutritt von Licht undLuft zu allen Räumen des Gebäudes verhindern und eine Ansammlungs-stätte für Krankheitskeime innerhalb des Krankenhauses bilden.

Dazu kommt, dass viele wichtige, sanitäre Einrichtungen, wie einegesundheitsmässige Beseitigung der Fäkalien und Infectionsstoffe, einegute und reichliche Wasserversorgung, eine rationelle, centrale Beheizungund Entlüftung der Krankenzimmer u. s. w., welche erst der neuerenZeit entstammen, früher ebenso unbekannt waren, wie viele Materialienund Constructionsweisen der Technik, welche heute eine wichtige Rollebei der Errichtung der Krankenhäuser spielen.

Während hiernach bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhundertsden hygienischen Anforderungen an Krankenhausbauten im Allgemeinenwenig Rechnung getragen wurde, trat im Jahr 1788 eine Wendung dieserVerhältnisse ein, die zu einer eigenartigen und selbst heute kaum völligabgeschlossenen Entwickelung des Krankenhausbaues führte. Nachdembereits vor letztgenannter Zeit von zahlreichen Seiten auf die Uebelständeund unwürdigen Zustände in vielen Krankenhäusern, namentlich in dem