III. Allgemeine Krankenhäuser.
1. Balltechnik.
Von
F. Ruppel,
Bauinspector und Vorsteher des Directions-Bureaus des Hochbauwesens in Hamburg
(Mit 33 Abbildungen.)
1. Entwickelung des Krankenliausbanes.
Der Bau von Krankenhäusern bildet einen Zweig der technischenWissenschaften, welcher in engem Zusammenhang mit den Lehren derGesundheits- und Krankenpflege steht und sich mit diesen gleichmässigentwickelt hat. Während im ganzen Verlauf der früheren Jahrhunderte,seit man besondere Häuser für Kranke zu bauen begann, eine wesentlicheEntwickelung der Krankenhaustechnik ebenso wie der Hygiene kaum statt-gefunden hat, haben die Fortschritte des letzten Jahrhunderts, namentlichaber der letzten Jahrzehnte sowohl in den medicinisch-hygienischen, alsauch in den allgemeinen technischen Wissenschaften neben anderenFactoren' auf den Krankenhausbau einen ausserordentlich befruchtendenEinfluss ausgeübt und dieses Gebiet zu hoher Blüthe entfaltet.
Krankenhäuser im Sinne der heutigen Zeit kannte man im Alterthumüberhaupt nicht. Dieselben entwickelten sich erst im Laufe des Mittel-alters aus den in früheren Jahrhunderten unter dem Einfluss der Häupterund Ordensgemeinschaften der christlichen Kirche, sowie angesehener,reicher Privat-Personen vielfach errichteten Wohlthätigkeitsanstalten fürArme und Kranke. In diesen, hauptsächlich mit Klöstern verbundenenPfründenhäusern, Asylen, Hospitälern u. s. w. wurden die Kranken wohlgepflegt, dieselben erfuhren daselbst aber keine geregelte, ärztliche Be-handlung.
Die furchtbaren Seuchen des Mittelalters, Aussatz, Blattern, Pestu. dgl., durch welche Europa während mehrerer Jahrhunderte nach denKreuzzügen wiederholt heimgesucht wurde, veranlassten viele Städte, ihreBevölkerung durch Errichtung besonderer, anfänglich nur primitiver
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. ^