Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
757
Einzelbild herunterladen
 

Scmderanstalten und Fürsorge für Sieche (Kreispflege-Anstalten). 757

mit einem FJächenraum von 5 Hectarcn Gelände, blieb seit12 Jahren die Verpflegung des Einzelnen unter 40 Pfennig und stehtnun seit 4 Jahren unter 35 Pfennig. Es klingen diese Zahlen um soauffallender, als unter der täglichen Verpflegung nicht etwa nur dieMundverpflegung, wie in vielen anderen Anstalten verstanden wird,sondern alles das, was ein Pflegling nach seinem Eintritte in gesundenund kranken Tagen braucht, somit ausser Nahrung (auch die Kost desWart- und Dienstpersonales) die Kleidung, Heizung, Peinigung, Be-leuchtung, Heilmittel, sowie die Erhaltung aller Gerätho und Apparate,Bettwerk und Weisszeug, Wasser, Tabak, Wein und andere Gcnuss-mittcl, ja sogar noch die Beerdigung.

Zu bemerken ist noch, dass in solchen Anstalten nur eine Ver-pflcgungsklasso eingeführt ist, der sich auch die Vermöglichen oderVersicherten unterwerfen müssen. Letztere finden gegen Einwurf ihrermeist geringen Renten immer zahlreichere Aufnahme.

Die Kost, welche in solchen Anstalten gereicht wird, muss alseine genügende und gute bezeichnet werden: fast allenthalben wird4 mal Fleisch in der Woche gegeben. Das Dienstpersonal erhält ähn-liches Essen. Besseren Arbeitern wird täglich 12 Viertel Wein nebsteinem kleinen Trinkgeld gegeben. Den Kranken oder Schwächlichenund Leidenden kann auf besondere Verordnung jede zuträgliche Speiseverabreicht werden.

Forschen wir nach dem Grunde, warum in solchen Anstalten dieVerpflegung eine so billige, niedere ist, so liegt das zweifellos einerseitsin einer richtigen Anlage und in der grossen Anzahl der Verpflegten,andrerseits dann auch in der möglichst ausgedehnten Beschäftigung, inder geringen Zahl des Dienstpersonales, in der richtigen Sparsamkeitund Einthcilung in der Küche, in der Verwendung aller Abfälle und inder Verwerthung der Erzeugnisse der Gärten etc.

AVas die überraschende Billigkeit der Verpflegung in der Anstaltbei Freiburg betrifft, so glaubt man diese der Nähe der grossem Stadt alsMarkt- und Handelsplatz zuschreiben zu sollen. Man glaubt sonst ge-wöhnlich dem flachen Lande oder einem Dorfe durch Zuweisen einersolchen Anstalt einen Gefallen erweisen zu können. Es hat sich abereine solche Annahme als eine Täuschung ergeben, sowohl für die Orteselbst, wie auch für die Anstalt; es wird gewöhnlich doch nothwendigdie meisten Lebensmittel und anderen Bedarf von Hauptorten ausweiterer Ferne kommen zu lassen und deshalb theurer zu beziehen,weil auf dem Lande der nöthige Unternehmungsgeist und zumal derWettstreit fehlt. Die Nähe einer Stadt macht es möglich, erheblicheSummen durch Arbeiten zu verdienen, welche an Grossunternehmer ab-geliefert werden können, nur in unmittelbarer Nähe einer Stadt ist esmöglich, die Erzeugnisse der Gärten in dem Maasse abzusetzen, dassneben dem Verbrauch guter und frischer Gemüse in der Anstaltsküchenoch durch Verkauf ein erheblicher Baarerlös von einigen tausend Mark