Sonderanstalten und Fürsorge für Genesende. 727
kasse zu Leipzig. Der Vorsitzende des Sanitätsausschusses, Kommerzien-rath Dr. Schwabe (s. oben Augustusbad) stellte der Kasse 1889 das128 Acker Land (darunter 60 Wald) umfassende Gut am Gleesbergbei Neustädtel-Schneeberg und das Rittergut Foerstel bei Schwar-zenberg mit 138 Acker Land (davon 35 Wald) auf 5 Jahre zur Unter-bringung Genesender zur Verfügung, nachdem er einen entsprechendenUmbau der Wohn- und Wirtschaftsgebäude ebenfalls auf eigene Kostenhatte vornehmen lassen. — In Gleesberg sind 9 grössere Schlaf- und3 Unterhaltungszimmer, in Foerstel 14 Schlafzimmer, ein Schlafsaal und3 Unterhaltungszimmer.
In jedem Bett haben wir eine Stahlfeder- und Rosshaarmatratze;doppelte Schlafdecke bezw. Federdeckbett und vierfache Wäsche nebstallem Zubehör sind vorhanden. In jedem Hause finden 30 PfleglingeUnterkunft.
Die Pflege haben Schwestern des Albertzweigvereins Leipzig über-nommen. Die Beköstigung besteht in: Morgens: Milchkaffee oderCacao oder Milch mit Buttersemmel. Vormittags: Belegte Butterbrotemit Aufschnitt, Käse, Eiern, Schabefleisch, Warmbier, Fleischbrühe,saure, süsse Milch u. dergl. Mittags: Gemüse und Fleisch, oder Suppe,Braten, Kartoffeln, Compots u. dergl. mit Bier oder Milch. Nachmittags:Milchkaffee mit Buttersemmeln oder Butterbrot mit gekochten Eiern oderFleichbelag. Abends 6 Uhr: nach Bedarf Milch. Abends 7 Uhr: Milch-suppe, Butterbrot, kalter Aufschnitt, Eier, Thee, Cacao, Bier u. dergl.Besondere Diät wird auf Anordnung des Arztes gereicht; der Ver-pflegungssatz beträgt 2 M. p. Kopf und Tag. Die Jahresberichte schil-dern* die Erfolge, vor Allem auch die einzelnen Gewichtszunahmen alshervorragend. In Gleesberg fanden Aufnahme 1896 327 Frauen mit8635, in Foerstel 278 Männer mit 7221 Verpflegungstagen.
Von den Krankenkassen im Königreiche Sachsen ist überhaupt indieser Beziehung viel Rühmenswerthes zu berichten. So besitzt die Orts-krankenkasse zu Dresden seit 1893 das Genesungsheim für MännerAlt-Wettinshöhe in Zitzschewig. Von den April 1893 bis April1894 dort verpflegten 182 Genesenden gingen 78 als vollkommen ge-sund, 64 gebessert, 21 ohne wesentliche Besserung ab; 19 Pfleglingeblieben zurück. — Bereits im folgenden Jahre fanden 60 Genesendemehr Aufnahme. Auch der Verband „freier Hilfskassen" zu Dresdengeht mit der Begründung eines eigenen Genesungsheims um. Unter denMitgliedern der freien Hilfskassen selbst sind bis jetzt schon gegen 4000 M.zu dem Genesungsheime aufgebracht worden. Neuerdings hat aber auchdie zuständige Behörde die Erlaubniss zu einer öffentlichen Sammlunghierzu ertheilt.
Seitens der Ortskrankenkasse zu Chemnitz ist im vorigen Jahreder Bau eines Genesungsheims in Grünhain bei Zwönitz beschlossenworden. Die Stadtgemeinde zu Grünhain hat zu diesem Zwecke einenBaucomplex von ca. 20000 qm unentgeltlich zur Verfügung gestellt,während andererseits das zum Bau erforderliche Capital von der Alters-
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. 4/7