Sonderanstalten und Fürsorge für Genesende. 715
„Am stärksten wurden unsere Thätigkeit und Mittel durch die vonuns in einem von Jahr zu Jahr wachsenden Umfange und Erfolge ge-übte Fürsorge von Reconvalescenten in Anspruch genommen.
Wir beschränken dabei unsere Arbeit nicht auf die eigentlichenFabrikarbeiter und -Arbeiterinnen, sondern suchen uns im Rahmen deruns auf unseren Reconvalescenten-Stationen zur Verfügung stehendenBetten und unserer leider einer solchen Aufgabe gegenüber beschränktenMittel auch anderer würdiger und bedürftiger Genesenden aus den we-niger bemittelten Ständen, Handwerksgesellen, Tagelöhner, Wäscherinnen,Näherinnen anzunehmen.
Die Auswahl geschieht ohne Rücksicht auf Konfession und Partei-Stellung lediglich nach gewissenhaften Ermittelungen über Würdigkeitund Bedürftigkeit der Angemeldeten und auf Grund ebenso gewissen-hafter ärztlicher Prüfung, ob die Aussendung nach Curorten nachmenschlichem Ermessen zu dem erhofften Ziele der möglichst vollstän-digen Wiederherstellung von Gesundheit und Arbeitskraft zu führen ver-spricht. — 54 bleichsüchtige und blutarme Mädchen sandten wir wie inden vergangenen Jahren für 3 bis 5 Wochen nach Godesberg, wo sieim Genesungshause liebevolle Aufnahme und vorzügliche Pflege fanden,einige Mädchen mussten wir aus Mangel an Raum im Genesungshauseim Hause „Philadelphia" unterbringen, wo sie ebenfalls treffliche Unter-kunft fanden-. Für die 54 Pfleglinge betrug bei einer Curdauer von4—6 Wochen für den einzelnen die Zahl der Verpflegungstage im ganzen1708. Der Curerfolg war ein günstiger; dafür spricht auch der Um-stand, dass in diesem Jahre sich nur sehr wenige Pfleglinge des Vor-jahres zur Wiederholung ihrer Cur gemeldet haben. Die Besserungwar, soweit bis jetzt ersichtlich, eine gründliche und andauernde. DieZunahme des Körpergewichts betrug im einzelnen iy 2 —8 x / 2 Pfd. Nurin 5 Fällen war der Erfolg ein geringer; es handelte sich da um starkeBleichsucht. Bei solchem Grad des Leidens hält unser GodesbergerArzt, Herr Dr Pohl, eine Cur von 6—8 Wochen für wünschenswertli.
Für dieses Jahr ist die Errichtung einer eigenen Anstalt für weib-liche Genesende in Godesberg in Angriff genommen. Zu dem Zweckehaben wir dort ein Haus für drei Jahre gemiethet und nach erfolgterRenovirung zu einem Pflegehaus zweckmässig eingerichtet. Es enthältausser dem Speise- und Gesellschaftszimmer, der Küche, dem Küchen-zimmer, dem Wasch- und Baderaum noch 11 Zimmer, sodass nebender Vorsteherin und dem Dienstmädchen 12 Pfleglinge dort bequemPlatz haben. Die grösseren Zimmer enthalten je zwei Betten, die an-deren nur j e eins. Das Hauswesen sowie die Verpflegung der Genesen-den wird eine zum Diakonissenberuf vorgebildete Schwester besorgen.Nach beiden Seiten hat sie Erfahrung; sie wird durch eine Dienstmagdunterstützt werden."
„Ferner wurden 26 schwächliche, eines Soolbades bedürfende männ-liche und weibliche Reconvalescenten zu vier- und sechswöchentlicherCur nach Königsborn und Unna entsandt. Die Pfleglinge litten an