Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
708
Einzelbild herunterladen
 

708 E. Flade,

für die Arbeitskraft des Volkes sind unzweifelhaft die städtischenReconvalescentenheime, wie sie unsere Reconvalescentenanstalt inMünchen repräsentirt, und zwar einerseits, weil sie das ganze Jahr inThätigkoit sind und dann, weil sie vorwiegend den Reconvalescenten vonacuten Krankheiten und Verletzungen zu Gute kommen und ihnen mitder Ueberleitung zur vollen Kräftigung die Möglichkeit geben, ihre Ver-hältnisse zu ordnen und insbesondere sich die geeigneten Arbeitsplätzezu verschaffen."

Billiger werden sich jedenfalls immer ländliche Asyle herstellenlassen; diese haben daher für die grosse allgemeine Praxis den Vorzug,und sie sind es auch, welche von den meisten Veranstaltern gewähltworden sind.

Der Ort soll möglichst gute, staubfreie Luft besitzen, nahe amWalde, frei von Rauch- und Russquellen liegen und doch leicht erreich-bar sein. Er muss ebenso, wie die Gebäude, den allgemeinsten hygieni-schen Anforderungen genügen, während man sonst nicht die strengstenAnforderungen der Krankenhaushygiene zu stellen braucht.Fasst mandas Gebäude selbst in's Auge", sagt Back,so schliesse ich mich der Auf-fassung des Directors zu Vincennes an, dass ein Reconvalescentenhauskeine Kaserne, kein Hospital, kein Gasthaus darstellen soll."

Ein besonderer Neubau ist daher nicht unbedingt erfor-derlich. Die verschiedensten schon bestehenden Anstalten, wie Cur-häuser, Seehospize und viele verwandte Heilstätten, welche zumeist nurfür wenige Monate im Jahre offen stehen oder nach ihnen nur spärlichbelegt sind, bieten die beste Gelegenheit für Aufnahme Genesender undwär's nur für ihren AVinteraufenthalt. Einführung des boarding-out-Systems auf dem Lande und in kleinen Städten mit Hilfe gebildeterKreise namentlich für die Genesenden aus den unbemittelten, aber socialetwas höher stehenden Berufsklassen dürfte ein wesentlicher Factor zurFörderung der Genesungsfürsorge werden, wennschon die Unterbringungder noch specieller Wartung und ärztlicher Behandlung Bedürftigen hiernicht in Betracht käme.

Auch auf bereits benutzte Gebäude, öffentliche oder private, geeig-neten Falles Verwaltungs- und verwandte Bauten, Landgüter u. s. w.wird man zurückgreifen können, insonderheit, wenn dieselben günstigerIjage sich erfreuen und Geldmittel zur Aufführung von Neubauten fehlen.Ein Umbau oder spätere Ergänzungsgebäude werden dann leicht dasnoch Fehlende schaffen. Wünschenswerth bleibt, dass die Heime zwarauf dem Lande, aber doch nicht allzuweit von einem Krankenhause ent-fernt liegen. Man kann dann alle Einrichtungen für frische Infections-krankheiten, etwaige Geistesstörungen, Operationszimmer u. s. w. sparenund hat nur für einen Baderaum zu sorgen. Selbst die Wäsche kanndann der Krankenhauswaschanstalt übergeben werden. Das Reconvales-eentenheim bedarf auch sonst viel weniger Ausstattung als das Kranken-haus, vor allem nicht einer Menge oft sehr kostspieliger Instrumente,