678 H. Gutzmann,
Taubstummenanstalten angestellt werden müssten, noch nicht gezogenworden.
Der oben citirte Satz von Albert Gutzmann ist gleichzeitig vonvielen Beobachtern der taubstummen Kinder als richtig anerkannt worden,und diese Thatsache wurde deshalb auch die Ursache dazu, dass inDeutschland zuerst von Dr. Flatau und mir ein Kindergarten für taub-stumme Kinder ins Leben gerufen wurde. Dieser Kindergarten bestehtnoch jetzt in Berlin und wird fleissig besucht, die Erfolge auf die körper-liche Erziehung der dort behandelten Kinder sind vortreffliche zu nennen.
Ebenso wie in Deutschland sind seit Anfang dieses Jahrhunderts inallen civilisirten Ländern Taubstummenanstalten erwachsen, besondershaben die Vereinigten Staaten auf diesem Gebiete mit einer geradezubeispiellosen Energie und Schnelligkeit Taubstummenanstalten ins Lebengerufen. Aus dem Jahre 1893 liegt bereits ein grosses dreibändigesWerk über die Geschichte der amerikanischen Taubstummenanstaltenvor mir.
Zum Schluss möchte ich diejenigen Punkte noch ganz kurz hervor-heben, die mir in dem Taubstummenbildungswesen einer Verbesserungresp. Veränderung zu bedürfen scheinen.
1. Es sollten an sämmtlichen Taubstummenanstalten regelrechteärztliche Untersuchungen vorgenommen werden.
2. Die Fertigkeit im Ablesen der Worte von den Gesichtern derSprechenden sollte in den höheren Classen der Taubstummenanstaltenals besonderer Unterrichtsgegenstand gepflegt werden.
3. Die körperliche Erziehung der Taubstummen mittelst desTurnens und der BeAvegungsspiele sollte bei diesen Schulen noch mehrin den Vordergrund gestellt werden als bei den Schulen für vollsinnigeKinder.
b) Fürsorge für spraehlichgebrechliche Kinder.
Die grossen Zählungen der stotternden und stammelnden Kinder inden deutschen Volksschulen wurden seit dem Jahre 1885 in vielen Städtendurchgeführt und ergaben im Durchschnitt, dass ca. 1 pOt. der Kinderder Volksschulen stotterten. Für ganz Deutschland ergiebt dies eineZahl von 80000 stotternden Volksschulkindern. Da das Uebel wohl ge-eignet ist, im späteren Leben schwere sociale Schädigungen des Be-troffenen hervorzurufen, so entschloss man sich allmählig zu allgemeinenbehördlichen Maassnahmen dagegen.
Die öffentlichen Maassnahmen, welche in Preussen gegen dieSprachstörungen unter der Schuljugend getroffen wurden, begannen mitder Entschliessung der Potsdamer Schuldeputation im Sommer 1886einen Versuchscursus mit sechs Knaben und sechs Mädchen, deren Zu-stand am schlimmsten befunden worden war, einzurichten. Der Pots-damer Jjehrer wurde in Berlin von Albert Gutzmann 1885 aus-gebildet und übernahm diesen Cursus sowohl wie den im Sommer 1887