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1 (1899)
Entstehung
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10. Sonderkrankenanstalten und Fürsorge fürTaubstumme nnd Sprachgebrechliche.

Von

Dr. Hermann Griitzmaim,

dirig. Arzt der Klinik für Sprachstörungen in Zehlendorf bei Berlin.

a) Fürsorge für Taubstumme.

Der Gedanke, Taubstumme zum Reden zu bringen resp. sie in derKenntniss des Lesens und Schreibens sowie höherer Unterrichtsfächerzu unterweisen und ihnen damit die Grundlage für ein selbstständigesErwerbsleben zu sichern, ist sehr alt, und wir begegnen ihm schon im16. Jahrhundert, jedoch bleiben die unterrichtlichen Versuche, die zuerstin Spanien, dann in England und später in Holland unternommen wurden,nur vereinzelt und werden niemals zu schulmässiger Ausbildung gefördert.Der allgemeine schuimässige Unterricht der Taubstummen beginnt erstvon der Mitte des 18. Jahrbunderts an, und zw r ar hat das Verdienst, dieerste Taubstummenanstalt geschaffen und durch die sorgsame Ausnutzungder natürlichen Geberdensprache und einer künstlichen Fingerspracheeine wissenschattliche Unterweisung der Taubstummen in grösserem Massedurchgeführt zu haben, der Abbe Charles Michel de l'Epee zu Paris(17121789). Fast zu gleicher Zeit beschäftigte sich in DeutschlandSamuel Heinicke mit dem Unterricht und der Erziehung der Taub-stummen. Er eröffnete, nachdem seine Bestrebungen lange Zeit ohneäussere Unterstüzung geblieben waren, unter der Beihilfe des KurfürstenFriedrich August von Sachsen im Jahre 1778 am 14. April das ersteTaubstummeninstitut zu Leipzig. Schon von vorn herein hatte sichSamuel Heinicke in einen gewissen Gegensatz zu Abbe de l'Epeegestellt. Er wies an der Hand der Physiologie und Psychologie derSprache nach, dass es nicht nur möglich sei, den Taubstummen dieLautsprache in der Form zu geben, dass sie sie im Verkehr mit ihrenvollsinnigen Mitmenschen zu brauchen im Stande seien, sondern dass dasauch der natürliche Vorgang der Taubstummenbildung sein müsse. DerGedanke an sich ist nicht neu, doch ist die erste Durchführung in einerTaubstummenanstalt, die erste Anwendung auf eine grössere Zahl vonTaubstummen und die rücksichtslose Bekämpfung der französischenMethode des Taubstummenunterrichts mittelst der Geberde ein unstreitiges