Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
632
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632 C. Schmid-Monnard,

Soolebädcr wie auch in einigen Seebädern Freistellen existiren. Sonimmt z. B. das jüdische Curhospital zu Oolberg nur unentgeltlich aufund verpflegt unter 124 Pensionären 47 Kinder. Das christliche Cur-hospital Siloah zu Colberg hat im Jahr etwa 60 Freistellen zu vergeben,das Kinderheilbad Suiza 130y a Freistellen. Ferner werden Mittel be-willigt von Behörden, von privaten Stiftern und von Frauenhilfsvereinen.1896 wurden von 89 Vereinen in 76 Städten für ca. 22000 Kinder706000 Mk. gesammelt. Die höchsten Einnahmen erbrachten die ein-maligen und ausserordentlichen Geschenke mit ca. 154000 Mk., dieMitgliedsbeiträge mit 139 000 Mk. und die Hauscollecten mit ca.117 500 Mk.

Einen sehr nachahmenswerthen Modus der Mittelbeschaffung hat diePfälzische Kinderheilstätte in Dürkheim a. H. Sie erhält jährliche Bei-träge theils aus den Districtskassen, theils von den einzelnen Gemeindenin der Höhe von 5 bis 300 Mark, ausserdem wird sie namhaft unter-stützt aus dem Kreisfond.

Es ist nicht nöthig, alle Soole- und Seebäder einzeln aufzuführen.Sie finden sich in jedem Bäderlexicon. Nur auf die Darstellung ihrerWirksamkeit kam es hier an.

Der Bericht der Centralstelle der Vereinigungen für Sommerpflegezählt für 1896 29 Kinderheilanstalten in Soolebäclern und 14 solche inSeebädern auf.

Die Erfolge der Soole- und See bade euren werden procentarischsehr verschieden angegeben, meist mit 3040 pCt. Abgesehen vonsubjeetiven Verschiedenheiten in der Bezeichnung gebessert nnd geheiltträgt hierzu die verschieden lange Aufenthaltsdauer bei. Je länger derAufenthalt, desto grösser der Erfolg. Es ist nicht anzunehmen, dass vieleKnochentuberculosen durch 6wöchentliche Badecur ausheilen. Es kommtvielmehr auch darauf an, ob ein chirurgischer Eingriff im gegebenenFalle zur Unterstützung der Salzbäder herangezogen wird. Treffen allediese Factoren zusammen: Gute Pflege im Soole- oder Seebad, chirur-gische Behandlung und genügend langer Aufenthalt, so werden wir wohlauch 75 und 85 pCt. Heilungen erzielen wie dieMusteranstalten desAuslandes, allen voran Berck sur Mer in Frankreich.

Jedenfalls steht es fest, dass für Scrophulose, Rhachitis, Knochen-und Gelenktuberculose der Land- resp. Seeaufenthalt mindestens ebensogute, oft wohl noch bessere Resultate ergiebt als der Spitalauf enthalt.Bei operativen Fällen ist der Spitalaufenthalt nicht zu vermeiden; zurVervollständigung des Erfolges aber dienen Seebäder und Curorte. EinAnfang mit der Oombination von operativer Behandlung und Salzbadecurist an verschiedenen Orten gemacht worden, so vor Allem im Victoria-stift zu Kreuznach, wo auch grössere Operationen ausgeführt werden,und im Seehospiz zu Norderney. Auch im christlichen Curspital Siloahin Oolberg wird, operirt und selbst schwere Knochen- und Gelenktuber-culose nehmen dort mitunter an Gewicht zu.