Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Kinder. 631
währt haben. Im Sommerheim zu Colberg werden 3 mal wöchentlichSeebäder gegeben, Soolebäder 2—3 mal soviel.
Neuerdings hat man auch mit gutem Erfolge Wintercuren ein-gerichtet.
Derartige Winterpflegecuren bestanden im Winter 1895—96:
1. Elmen bei Gr. Salze, Kaiserin Augusta-Kinderbospital. 31 Kindermit 1725 Pflegetagen erhielten 606 Bäder.
2. Lüneburg, Kinderhospital.
3. Nauheim, Kinderheilanstalt.
4. Salzuflen, Kinderheilanstalt (92 Kinder mit ca. 5400 Pflege-tagen).
5. Sassendorf, Kinderheilanstalt.
Die Kosten in diesen Anstalten betragen ca. 1 Mk. pro Tag.
6. Norderney, Kaiserin Friedrich-Seehospiz.
Im Seehospiz waren im Winter 138 Kinder, von denen 33 pCt. ge-heilt und 43 pCt. erheblich gebessert wurden. Anscheinend wirken dortdie Wintercuren noch besser als die Sommercuren bei respiratorischen,Krankheiten, bei anämischen und neurasthenischen Zuständen, durch dieanregende und stärkende Wirkung des Klimas. Es war den Kindernmöglich, täglich fast 4 Stunden im Freien zu verbringen. Von den167 Tagen der Wintercur waren nur 1 ganzer und 18 halbe Tage fürden Aufenthalt im Freien ungeeignet.
Die Kinderheilanstalten bestehen, abgesehen von denjenigen, welchesich für Winterpflege eingerichtet haben, meist aus leichtem Baracken-bau. Derselbe ist billig und luftig, aber meist nur für den Sommerbrauchbar. Da die Kinder den grössten Tbeil des Tages im Freiensind, und die Gebäude gewöhnlich frei liegen, ist der Luftraum kleinerals in Hospitälern bemessen (20 cbm). Wichtig sind Wandelgänge resp.Glashalien zum Tagesaufenthalt bei schlechtem Wetter.
Der nur für Sommerpflege bestimmte Barackenbau der 1897- er-richteten Pfälzischen Kinderheilstätte in Dürkheim a. H. ist wohl dergrösste und bietet seit 1898 Unterkunft für 350 Kinder.
■ Das Seehospiz »zu Norderney ist im Pavillonstil erbaut. Als not-wendig haben sich auch einige Isolirabtheilungen herausgestellt. ImAllgemeinen ist die Gefahr einer Epidemie an der See gering,wohl in Folge der starken Durchlüftung. So musste nur in einem Falleeine Anstalt geschlossen werden, im Uebrigen gelang es immer, diewenigen auftretenden Fälle rasch zu isoliren und einer Weiterverbreitungso vorzubeugen.
Die Kosten des Soolbadeaufenthaltes für Bemittelte betragen nichtunter 2 Mk. täglich, mehrfach auch 3 und 4 Mk., für Unbemittelte giebtes mehrfach Freistellen.
Beschaffung der Verpflegungskosten. Die Kosten in denSeehospizen sind nicht bedeutender als 2—3 Mk. pro Tag, für Un-bemittelte meist 10 Mk. wöchentlich. Die Gratisbenutzung der Soole-und Seebäder wird ermöglicht dadurch, dass etwa in der Hälfte aller
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. 4]_