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1 (1899)
Entstehung
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628 C. Sehmid-Monnard,

dürftigen. Einem gleichen Bedürfniss entspringt die Gewährung von un-entgeltlichem oder sehr billigem Mittagsessen an arme Schulkinder. ImWinter 1895/96 wurden so in Berlin über 400000 Essportionen ab-gegeben, in Cöln 40000, in Stettin ca. 23500, auch die Aufwendungenanderer Städte hierfür waren nicht geringe. Es ist zweifellos, dass durcheine Verbesserung der Ernährung armer Kinder Krankheit und körper-liches Elend vielfach vermieden oder vermindert wird.

3. Feriencolonien.

Bei den eigentlichen Feriencolonien handelt es sich um Ent-sendung der Kinder in andere Gegenden für beschränkte Zeit, etwa dreiWochen, gewöhnlich in Abteilungen von 24, unter Führung meist einesLehrers. Angeregt 1876 von Pfarrer Bion in Zürich, haben dieselbendie lebhafteste Aufnahme in Deutschland gefunden; und viele Städteschicken, mit Hilfe von Armen Verwaltungen und freiwillig zahlendenVereinen, ihre armen und kränklichen Kinder in die Colonien aufs Land,in den Wald, an die See. Die Fürsorge liegt meist in der Hand eigensdafür gebildeter Vereine. Doch entsenden auch Private, wie z. B. dieMeierei C. Bolle kränkliche Kinder nach ihren eignen Heimstätten inMilow (Havel) und Borkum.

Man unterscheidet offene und geschlossene Colonien; in denoffenen Colonien sind die Kinder bei einzelnen Familien in Kost undWohnung. Indess hat diese Form sich mangels genügenden Zusammen-haltes und mangels geeigneter Familien nicht bewährt. Erziehlich besserwirken die geschlossenen Colonien, mit gemeinschaftlicher Unterkunftunter Aufsicht des Führers, in gemiethetem oder eigenem Hause. DieVerpflegung im eigenen Hause hat den Vortheil, die Speisen dem kind-lichen Bedürfniss passend auswählen zu können und stellt sich um30 pCt. billiger. Allerdings wird das Bau^ und Einrichtungscapitalhierbei nicht verzinst. Die Kosten der Feriencolonie einschliesslichKeise betragen bei umsichtigem Wirtschaften pro Kind und Tag durch-schnittlich 3 / 4 5 / 4 , selten l 3 / 4 Mark. 1896 existirten 22 eigene Kinder-pflegehäuser in Deutschland. Als Muster eines gut gelegenen, nichtzu theuren, zweckmässigen solchen Hauses kann das Sommerheim<les gemeinnützigen Vereins Dresden in Klingenberg gelten. Mittenim W T ald gelegen, besteht dasselbe aus 2 getrennt stehenden Fachwerk-baracken für Knaben und Mädchen. In jeder Baracke sind 2 sonnigeSchlafsäle für 25 Kinder, 1 Tageraum, 2 Zimmer für den Führer und2 Kleiderkammern. Zwischen beiden Baracken das Wirtschaftsgebäudemit Badeeinrichtung, 2 Krankenzimmern und Wohnung für das Personal (3bis 4 Personen). Diese 3 Gebäude sind durch einen gedeckten Gang ver-bunden, daneben ein Tborwachthaus und ein Vorrathsschuppen. Kauf, Bauund Einrichtung kosten 55000 M.; die Beköstigung pro Kind und 21 Tage13,50 M. 1896 wurden in Deutschland von 134 Vereinen und Städten13000 Kinder ausgesandt, davon wurden 3000 bei Familien auf demLande verpflegt und ca. 10000 in geschlossenen Colonien. Die Indi-