Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Kinder. 627
ein 1896 für 6300 Erwachsene und 9200 Kinder 38000 Mark, und ver-teilte unter anderem 134000 Liter Milch.
In Berlin hat sich dabei das Zusammengehen dieses Vereins miteiner grösserer Anzahl anderer wohthätiger Gesellschaften sehr bewährtDesgleichen die 1896 erfolgte Einrichtung einer Control- und Auskunfts-stelle für die gesammte städtische Wohlthätigkeitspflege.
Für 41 Städte Deutschlands berechnet, betrug die Zahl der in sog.Stadtcolonien verpflegten Kinder im Jahre 1896 etwa 7000, für die Zeitvon 1885 bis 1896 aber 78 600.
Diese Pflegeform, welche in täglichen gemeinsamen Ausflügen undTurnspielen der Kinder mit Verpflegung durch Milch und ßutterbrod be-steht, unter Leitung von Vertrauenspersonen, meist Lehrern, zeigt in derneueren Zeit vermehrte Aufnahme. Denn ihre Wirkung ist recht zu-friedenstellend, allerdings haben für grössere Städte die weiten Ent-fernungen von der Wohnung der Kinder vom Coloniesammelplatz durchErmüdung Unzuträglichkeiten veranlasst. Die Erfolge bestanden in derErzielung grösserer Kraft Ausdauer und Frische bei den Kindern.
Die Kosten sind nicht bedeutend; sie schwanken zwischen 4 Pfennigund 89 Pfennig pro Kind und Tag; in Frankfurt a. M. mit durchschnitt-lichen Verhältnissen betragen sie 30 Pfennig pro Tag, was für die ge-wöhnliche Dauer der Milchpflege von 2y 2 Monaten pro Kind etwa15 Mark ausmacht. Bremen hat 5 öffentliche Milchstellen ' und speistan 3 Wochentagen Kinder unentgeltlich in der Volksküche; Düsseldorfverpflegt im Herbst eine Colonie von 830 Kindern dreimal täglich mitMilch. In Strassburg werden bis zu 10 pCt. der schulentlassenenMädchen vom 14. bis 16. Jahr mit Milch verpflegt, ebenso in Barmen.In Heilbronn hat man mit 20000 Mark Kostenaufwand ein Ferienheimausschliesslich für Tagespflege erbaut, wo im Sommer vom 2. Jahre abgebadet und gespeist wird.
Das Heilbronner Ferienheim für Sommerpflege enthält zuebener Erde einen Speisesaal für 70 Kinder, Speisekammer und Küchesowie Baderäume. Im ersten Stock befinden sich 4 Krankenzimmerzum. stationären Aufenthalt für Gebrechlichere und 1 Schwestern-zimmer.
Diese Art häuslicher Pflege am Ort hat sich besonders nützlicherwiesen in Form einer Nachpflege, Herbst- oder Winterpflege bei den-jenigen Kindern, welche während des Sommerferienaufenthaltes inColonien sich nicht genügend erholt hatten. Diese Nachpflege bestehtje nach den vorhandenen Mitteln und der Bedürftigkeit, in einer Milch-cur, Verabfolgung von Frühstück und Mittagessen, von Salzbädern odergar Entsendung zur Wintercur ins Seehospiz zu Norderney.
Im Winter 1895/96 wurden auf diese Art in Winterpflege genommenvon 20 Städten bezw. Vereinen über 2200 schwächliche Kinder miteinem Kostenaufwand von nahezu 10000 Mark. Um eine wirksameWinternachpfiege zu erzielen, empfiehlt sich daher eine Controle der imSommer verpflegten Kinder behufs Auswahl der einer Nachpflege Be-