Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
606
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606 C. Schmid-Monnard,

Inspection durch den Arzt oder Damen des Vaterländischen Frauen-vereins statt. Ebenso wird in Dresden viel für die Unehelichen gethanmit gutem Erfolge. Wenig dagegen bemühen sich Frankfurt a. M. undBerlin um das Leben der Unehelichen: von letzteren starben in Frank-34 pCt. (gegen 17 pCt. Ehelicher) und in Berlin 45 pCt. (gegen 25 pOt.Ehelicher). Wenn auch der Kinderschutzverein in Berlin innerhalb seinesWirkungskreises ausserordentlich viel Gutes leistet, so umfasst seineThätigkeit doch nur den kleinsten Theil der Bedürftigen. So nahm sichderselbe (seit 1876) jährlich einer Zahl von etwa 164 Kindern an. Da-von waren zwei Drittel Uneheliche im ersten Lebensjahr, welche nurden zweiundzwanzigsten Theil der 1891 polizeilich überwachten 3541Haltekinder darstellten. Das Pflegegeld beträgt in Berlin die beträcht-liche Summe von durchschnittlich 18 Mark monatlich, in einzelnenFällen werden Prämien gezahlt, Arzt, Arzenei und Kleidung sind frei.Ueber ein Drittel der Verpflegungssumme wurde von den Verwandtenzurückgezahlt.

2. Asyle.

Eine zweite Art der Säuglingsfürsorge sind die Asyle für Wöch-nerinnen und Neugeborene. Ein Theil derselben ist für die Ent-bindung selbst eingerichtet.

Die Asyle, in denen nicht entbunden wird, in denen aberMütter bald nach der Entbindung für die Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeitmit ihren Säuglingen unentgeltliche Aufnahme finden, stellen sich alsimmer dringenderes Bedürfniss heraus, obwohl in ihnen die Erfolge viel-fach nicht immer so sind, wie in der Aussenpflege, vielleicht mangelsgenügend geschulten Pflegepersonals. Sie können zugleich dienen alsvorübergehender Aufenthaltsort für Ziehkinder, für die im Augenblickkeine geeignete Pflegerin da ist. Zu solchen Zwecken dient das seit1881 bestehende Frauen- und Kinderheim des Leipziger Zieh-kindervereins mit Betten für 8 Erwachsene und 12 Kinder. AlsMuster eines Wöchnerinnen- und Kinderasyls gilt das Anfang der80er Jahre unter Soltmann's Leitung entstandene, aus Privatmittelnunterhaltene kaiserliche Kinderheim Gräbschen-Breslau. KrankeMütter und schwerkranke Kinder werden in demselben nicht aufge-nommen; die Kinder neuerdings nie ohne Mutter. Auf dieser letzt ge-nannten Bedingung beruht der Erfolg der Anstalt, dass während derdurchschnittlich 45 wöchentlichen Aufenthaltsdauer in einzelnen Jahrenkein einziger Säugling starb. Die Todesfälle (18 pCt.) in den früherenJahren mit theilweise künstlicher Ernährung betrafen künstlich genährteKinder, von denen die Hälfte starb, während sämmtiiche Brustkindererhalten blieben. Die Erfolge der Anstalt zeigten sich auch nachträg-lich an der geringeren Sterblichkeit der Anstaltskinder in der Aussen-pllege (9 pCt.) gegenüber 1218 pCt. der sonstigen Ziehkinder. DieAnstalt hat 18821895 943 Kinder verpflegt, mit einem Durchschnitts-bestand von 212 Kindern und etwa 50 Pfg. Verpflegungskosten pro