Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
586
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586 Brenneclce,

Wöchnerinnenasylen wird an dem Grundsatze festgehalten, nur Frauenaufzunehmen. Die Asyle wollen nicht in Cöncurrenz treten mit dengeburtshilflichen Lehrinstituten, die von jeher wesentlich den unverehe-lichten Personen zur Aufnahme dienten, sie wollen ergänzend indie grosse Lücke eintreten, die sich in der Fürsorge für Frauen fühl-bar .machte, sie wollen den letzteren eine annehmbare, auch ihresittlichen Gefühle schonende Zufluchtsstätte während der Geburt unddes Wochenbetts bieten. Wesentlich Dank dieser Beschränkung habendie Wöchnerinnenasyle im Bewusstsein des Volkes schnell Wurzel gefasstund so .werden sie schon heute getragen von dem gemeinsamen Interesseder Frauenvereine, der Städtischen Armenverwaltungen, der Wochen-pflegerinnen und eines grossen Theiles der Aerzte. Verständnisslos undablehnend steht nur noch der Hebammenstand in der überwiegendenZahl seiner Mitglieder bei Seite und wirkt damit hemmend auf die Ent-wickelung nicht nur der Wöchnerinnenasyle, sondern der ganzen Geburts-und Wochenbett-Hygiene. Kein Wunder bei der bisherigen Verfassungdes Hebammenwesens. Das niedrige Bildungsniveau und der beständigeharfe Kampf mit den materiellen Sorgen des Daseins ersticken bei derMehrzahl der Hebammen das Interesse für die idealen,' auf dem Gebieteder Hygiene liegenden Aufgaben ihres Berufs und lassen im heissenConcurrenzgedränge fast nur Sinn für die Geld- und Magenfrage übrig.Und da man selbst von ärztlicher Seite sich nicht entblödet hat, voreinigen Jahren auf dem Hamburger Congress der Vereinigung DeutscherHebammen die Wöclmerinnenasyle, in Missachtung ihres wahren Werthes,den Hebammen als Cöncurrenz- und ärztliche Privat-Entbindungs-anstalten hinzustellen, da auch die Hebammenschulen sich den Wöch-nerinnenasylen gegenüber noch vielfach abwehrend verhalten, so habendie Hebammenvereine in den letzten Jahren eine förmliche Kampfes-stellung gegen die Asyle eingenommen. Das klingt uns aus allen Be-richten dieser Anstalten entgegen.

Auch das jüngst in Berlin gegründete Wöchnerinnenheim machtschon die gleiche Erfahrung. Wie die Allgemeine Deutsche Hebammen-zeitung vom 15. November 1897 berichtet,sprach Herr ProfessorMartin im Berliner Hebammen verein über die Entwickelung des BerlinerWöchnerinnenheims anschliessend an eine Beschwerde seitens desVereins Berliner Hebammen. Am Schlüsse seiner Ausführungengab der Herr Referent die Versicherung, dass in Zukunft nur armenheimlosen Müttern die Pforten des Wöchnerinnenheims offen stehensollten. Im Namen des Vereins erklärte sich damit die Vorsitzende ein-verstanden, indem sie versicherte, dass es sonst den Berliner Hebammenunmöglich sein würde, das Wöchnerinnenheim zu empfehlen, da ohnedie zahlende arme Bevölkerung zwei Drittel der Berliner Hebammeneinfach nicht bestehen könnten. Die Berliner Hebammenschaft müssedies betonen, da man mit dem Gedanken umgehe, in allen StadtviertelnWöchnerinnenheime zu errichten. Das würde, unter der Voraussetzung,dass zahlende Mütter dort aufgenommen würden, mit dem Ruin der