Sonrlerkrankenanstalten und Fürsorge für Trinker. 543
die zweite 2 Mark und die'dritte 75 Pfennig täglich, monatlich im Voraus.Alle müssen je nach Kräften für die Anstalt arbeiten. Viele nimmt sieohne Zahlung auf, diese aber nur dritter Classe.
Christliche Hausordnung und völlige Enthaltsamkeit von jeder Artgeistiger Getränke führen neben der geregelten, für die einzelnen Classenverschiedenen Arbeit die besten Heilerfolge herbei. Das Haus hat Platzfür 24 Pfleglinge; jeder Kranke erhält sein eigenes Zimmer.
18. Das „Trinkerasyl Friedrichshütte bei Friedrichsdorf i. W.",ein Bestandteil der Arbeitercolonie Wilhelmsdorf, ist seit 1888 in Be-trieb. Die Umkehr und Festigung des Trinkers durch Gottes Wort wirdhier besonders angestrebt und neben der regelmässigen Arbeit Beob-achtung der christlichen Hausordnung, sowie Besuch der kirchlichenAndachten genau innegehalten, wie in den verwandten auf christlichemGrunde stehenden Heilstätten.
„Friedrichshütte bietet Raum für ca. 35 Pfleglinge. Es werdenTrinker aus allen Ständen aufgenommen. In dem neuen Haupthausesind einige Räume für solche Pensionäre bereitgestellt, welche gegenZahlung eines erhöhten Pflegegeldes allein oder mit einem anderen Pfleg-ling zusammen ein Zimmer bewohnen wollen. Die Mahlzeiten sind ge-meinschaftlich, ebenso theilen die Pfleglinge die Wohn- und Schlafräume,wobei nach Möglichkeit Rücksicht darauf genommen wird, dass die Leuteaus den gebildeten Kreisen zusammenschlafen und ein besonderes ge-meinschaftliches Wohnzimmer haben. In Bezug auf Kost und Verpfle-gung können den Einzelnen keine besonderen Vergünstigungen eingeräumtwerden. Der tägliche Pflegesatz beträgt 1,50 Mark, für Personen ausder Provinz Westfalen 1 Mark, jedoch können unter besonderen Um-ständen auch Ermässigungen gewährt werden. Die Aufzunehmendenhaben die nöthige Kleidung und Leibwäsche mitzubringen. GeeigneteArbeitskleider werden zum Selbstkostenpreise von der Anstalt Bethelgeliefert. In dem Verpflegungssatze sind die Kosten für besondere Aus-gaben an Kleidung, Reparatur, Schuhzeug, Tabak u. dgl. nicht enthalten.Unter Umständen wird — zugleich ein Sporn zum Arbeitseifer undWohlverhalten — auf diesbezügliche Berichte des Hausvaters denPfleglingen ein Taschengeld bis zu 60 Mark jährlich geschenksweiseverabfolgt, aus denen die aussergewöhnlichen Bedürfnisse (oder doch einThcil derselben) bestritten werden können. Für solche Trinker, die eineden höheren Gesellschaftskreisen angepasste Verpflegung wünschen, be-steht ausserdem das ebenfalls in der Senne gelegene Pensionat „Eich-hof" (Pflegesatz jährlich 3000—1200 Mark abwärts, je nach den An-sprüchen)". Diese Zweiganstalt ist ein etwa eine halbe Stunde entferntes,inmitten herrlicher Eichen gelegenes, ehemaliges Bauernhaus mit präch-tigen Räumen. Auch hier ist die, je nach den Kräften des Einzelnenberechnete Arbeit obligatorisch. Man will in der Nähe von Friedrichs-:hiitte ein weiteres Haus bauen behufs Unterbringung der zahlreichenrückfälligen Trinker, welche schon die verschiedensten Arbeitercolonien