Sonderkranke'nänstalten und Fürsorge für Trinker. 539
"köstigung des Einzelnen werden nicht gemacht. Schlaf- und Esssaalsind gemeinsam. Die Hausordnung ist der anderer Trinker - Heil-stätten gleich. Die Arbeit besteht in ländlichen Beschäftigungen. Die-selben werden auch von den aus höheren Kreisen stammenden Insassengeleistet.
9. Zu Walsrode in Hannover besteht seit Kurzem eine Pensionfür alkoholkranke Damen aus besseren Ständen, unter der Leitungvon Dr. med. Schomerus. Die dort herrschende Hausordnung gleichtder unserer grösseren Trinkerheilstätten. Die Kranken finden dort„engsten Anschluss an eine auf festem christlichen Boden gegründeteFamilie, welche Verständniss, Liebe und Erbarmen für diese unglücklichenMenschen hegt."
Der Pensionspreis beträgt monatlich pränumerando zahlbar 160 M.,-wofür besonderes Zimmer, volle Beköstigung, Feuerung, Licht, ärztlicheBehandlung, Bedienung geliefert wird. Ausgeschlossen sind besondereErsatzgetränke für Alkohol, z. B. Amplosia, Frada etc., wofür dieSelbstkosten berechnet werden, sowie Leibwäsche. Im Hause verab-reichte Vollbäder werden mit 50 Pfennig pro Bad berechnet.
Walsrode ist eine kleine Landstadt von etwa 2500 Einwohnern,Sitz eines evangelischen adligen Damenklosters. Das' Städtchen liegtim freundlichen Böhmethal und hat eine Umgebung, reich an Wald undmannigfaltigen Naturschönheiten, so dass: viel Gelegenheit zu Ausflügenund Spaziergängen geboten ist.
10. Eine Pension für Alkoholkranke ist neuerdings in Barg-horst bei Ahrensbök (Lübeck) von dem Landmanne F. Sonnemann be-gründet worden. Aerztlicher Leiter ist Dr. Fock - Ahrensbök. AllePfleglinge treten in die dort bestehende Guttcmplerloge (Enthaltsamkeits-verein) ein. Die Behandlung wird nach dem Princip der absoluten Ab-stinenz durchgeführt. und es lässt sich in den meisten Fällen dauerndevollständige Heilung erzielen. . Dabei einfaches naturgemässes Leben inder Familie, einfache, reizlose Kost; auf Wunsch Beschäftigung mit land-wirtschaftlichen Arbeiten. Der Anstaltsleiter, besucht mit seinenKranken ab und zu Wirthshäuser, um sie gegen die Versuchungen desAlkohols fest zu machen. .
Der Preis für vollständige Pension und ärztliche Behandlung zu-sammen beträgt 100—120 M. monatlich; ausserordentliche Bemühungensowie ärztliche Behandlung in Krankheiten, die nicht durch den Alkoholverursacht sind, müssen besonders vergütet werden.
b) Nervenheilstätten und verwandte Anstalten, welche sichvorzugsweise auch der Heilung Alkoholkranker widmen.
11. Heilanstalt für Nervenkranke von Dr. A. Schmitz zuBonn a. Rh. Die Pensionskosten betragen monatlich 300 M.; in be-sonderen Fällen, bei weniger bemittelten Kranken höherer Stände, sowiebei gleichzeitiger Aufnahme einer Begleitperson kann der Preis ermässigtwerden. Die Anstalt entspricht den Anforderungen der besser situirten