Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 513
Regelmässige Bäder sind schon aus Gründen der Reinlichkeitangezeigt. Eigentliche Wasserbehandlung kommt besonders bei torpiden,blutarmen Individuen in Betracht, stets in der einfachsten Form: massigkühle Vollbäder von kurzer Dauer mit kühlen Uebergiessungen. Beiaufgeregten Kranken, besonders bei acuten Erregungszuständen findenlangdauernde warme Bäder Anwendung. In den französischen Anstalten,besonders in Bicetre wird die kalte Strahlendouche ausgiebig und syste-matisch angewandt. Ich hin von der Zweckmässigkeit dieses Verfahrensnicht ganz überzeugt.
Ausser der allgemeinen psychiatrischen und hygienischenLeitung werden an den Arzt in den grossen Anstalten, um die essich hier handelt, noch eine Reihe von Anforderungen gestellt. Beidiesen nicht nur geistig, sondern auch körperlich defecten Insassen istfortgesetzt eine ausgebreitete ärztliche Thätigkeit nöthig auf dem Gebietder internen Medicin und der Chirurgie, wie im Gebiet einzelner Specia-litäten besonders der Augen und Ohren. Ein Blick auf den Bericht ausärztlich gut versehenen Anstalten über die Krankheitsfälle eines Jahreszeigt uns, wie vielseitig die ärztliche Thätigkeit im strengsten Sinne desWortes hier ist.
Der Unterricht idiotischer Kinder hat sich längst zu einerpädagogischen Specialität ausgebildet. Das, was hier besonders vondeutschen Lehrern geleistet worden ist, verdient die grösste Anerkennung.So interessant dieser Theil der Idiotenfürsorge ist, so würde es viel zuweit führen, einigermaassen in Einzelheiten einzugehen. In der Zeitschriftfür die Behandlung Schwachsinniger und Epileptischer findet man dieFragen des Idiotenunterrichts nach allen Richtungen hin besprochen. Auchdie Berichte von Bourneville aus Bicetre enthalten manches Interessantedarüber.
Hier sollen nur einige Punkte hervorgehoben werden.
Die erste Aufgabe der Erziehung der Idioten ist, sie überhauptunterrichtsfähig zu machen.
Zu den Anfängen des Unterrichts ist schon die Gewöhnung an Rein-lichkeit, an selbständiges Ankleiden, an ordentliches Essen zu zählen,Dinge, die bei der grossen Ungeschicklichkeit der Idioten aller Stufeneine endlose Geduld erfordern.
Der Unterricht im engeren Sinn beginnt mit der Vorschule.Von besonderem Interesse ist hier der Jahresbericht von Mariaberg 1860bis 1861, die Arbeiten von Sengelmann, Kölle, Landenberger,Schröter, Thumm.
Der Hauptzweck dieser Schule ist, die Kinder die Fähigkeit zulehren, die Gedanken zu concentriren.
Auf der untersten Stufe des Vorunterrichts, der für ganzschwache und torpide Kinder bestimmt ist, handelt es sich darum, siezu lehren, auf Sinneseindrücke überhaupt zu achten: auf ein helles Licht,einen glänzenden Gegenstand, den Ton einer Glocke, eines Musikin-strumentes.