508 Wildermuth,
Lassen wir die unentschiedenen (466) und die in Waisenhäusern etc.untergebrachten Fälle, ebenso die in Specialclassen untergebrachten oder fürSpecialclassen vorgeschlagenen Kinder beiseite, so bleiben noch 2135Fälle von Schwachsinnigen geringeren oder höheren Grades im schul-pflichtigen Alter, für die Anstaltsbehandlung angezeigt ist, währendfür 411, also für den fünften Theil davon, in den Schweizer Anstaltengesorgt ist.
Die Zahl der „Blödsinnigen und Cretinen", der bildungsunfähigenIdioten beträgt 945. Wir können bei diesen ohne Weiteres annehmen,dass sie anstaltsbedürftig sind.
Danach erhalten wir für die ganze Schweiz die Zahl von3080 Idioten im primarschulpflichtigen Alter, die der Anstaltspflegebedürfen.
Legen wir dieses Verhältniss zu Grunde, so erhalten wir für Be-zirke von der Grösse Württembergs oder der Provinz Sachsen 2080 an-staltsbedürftige Idioten im Alter von 7 bis 9 Jahren. Dabei ist nochvorausgesetzt, dass für Hilfsclassen in ausgedehnter Weise Sorge ge-tragen ist.
Es wäre wünschenswerth, dass auch in anderen Ländern solcheZählungen veranstaltet würden. Eine Ergänzung dieser Ergebnisse würdeman durch Zählung der Gestellungspflichtigen erhalten, die wegen Idiotiezum Militärdienst untauglich sind. Zur Feststellung des thatsächlichvorhandenen Bedürfnisses müssten auch die Erfahrungen der Anstaltendarüber beigezogen werden, inwieweit sie den Aufnahmegesuchen ent-sprechen können oder nicht.
Den Schluss können wir schon jetzt aus der SchweizerStatistik ziehen, dass die bisher bestehenden Anstalten nichtannähernd dem wirklichen Bedürfniss genügen und dass aufdem Gebiet der Idiotenfürsorge der Gesellschaft Aufgabengestellt sind, die nur der Staat und nicht die private Wohl-thätigkeit bewältigen kann.
UeberdieVersorgung von Idioten und Epileptikern in gemein-samen Anstalten haben wir schon gesprochen. Bei jedem Abschnittder Idiotenfürsorge zeigt sich, wie vielfach die Aufgaben für beideKrankengruppen sich berühren.
Wie weit die familiäre Pflege die Anstalten wird entlasten können,lässt sich noch nicht ermessen. Alt spricht sich über die bisherigenErfolge bei Idioten nicht sehr günstig aus. Nach Bothe befanden sichlmbecille mit und ohne Krämpfe oft lange in Pflege, bis ein Erregungs-zustand oder das Auftreten schwerer Krämpfe die Zurücknahme noth-wendig machte. Von den Patienten, die von Dalldorf in Familienpflegegegeben worden waren, waren 19 pOt. Idioten. Falkenberg berichtet,dass einzelne tiefstehende, unsaubere und körperlich unbehilfliche Idiotengute Pflege und sorgfältige Aufsicht gefunden haben. Schwieriger istnach seiner Ansicht die Unterbringung Imbeciller. Meines Erachtensgiebt es unter den Idioten der verschiedenen Grade eine Anzahl von