Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 485
jedenfalls können die Kranken sie nur in Begleitung besuchen. Das istnicht immer zu beschaffen und vertheuert die Sache. Das Haus müssteden Charakter eines einfachen Nervensanatoriums tragen. Geeignet wärendazu die Anstalten, die in schöner, besonders waldreicher Umgebung liegen.
Die günstigen Erfahrungen, die man in Schottland, England, Belgienund Deutschland mit der familiären Irrenpflege gemacht hat, legenden Gedanken nahe, diese Form der Fürsorge auch bei Epileptischenund Idioten anzuwenden.
So viel mir bekannt, ist dies bisher nur in einer Anstalt versuchtworden, in Uchtspringc. Der Dircctor der Anstalt Alt hat hierzu einenWeg beschritten, der alle Beachtung und Nachahmung verdient. Altschreibt in dem zweiten Anstaltsbcricht von Uchtspringc:
„Als sicherstes Mittel, tüchtige Handwerksmeister und ältere Wärterauf lange Zeit an die Anstalt zu fesseln, erschien die Möglichkeit, ihnengeeignete Familienwohnungen von Seiten der Anstalt zu bieten. Dasolche Wohnungen in erreichbarer Nähe nicht vorhanden waren, musstcdie Gründung eines Dörfchens angestrebt werden. Daneben bestand dieAbsicht, in dem neu gegründeten Dörfchen jeder Familie eine Anzahlvon Kranken in Verpflegung zu geben und so einen Ausgangspunkt fürdie Verbreitung der familiären Irrenpflege in der Umgebung der Anstaltzu schaffen".
Es sind in der Nähe von Uchtspringe auch schon 10 Doppelhäusererrichtet worden. Neben genügenden Nutz- und Wohnräumen für dieFamilie befindet sich in dem Hause Kaum für 3 Kranke, ausserdem istbei jedem Haus ein Garten, Hof. Stallung für Kleinvieh vorhanden. Fürdie Wohnung bezahlt der Wärter jährlich 50 Mk. „Die Ausstattungder für die Kranken bestimmten Räume wird von der Anstalt übernommenund bleibt Eigenthum derselben. Sie rüstet auch die Kranken völligaus und gewährt dem Pfleger für Beköstigung, für Instandhaltung undReinigung von Kleidern und Wäsche eine tägliche Entschädigung voll60 Pfennig. Die Arbeitsleistung der Kranken kommt dem Pfleger zuGute". Die Einrichtung ist einer scharfen Beobachtung durch die An-staltsboamten unterstellt.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass auf diesem Wege ein geeigneterAufenthalt für manche Kranke geschaffen werden und zugleich eine Ent-lastung der Anstalt erreicht werden kann.
Wie vorsichtig man aber in der Auswahl sein muss, zeigen die Er-fahrungen, die man jetzt schon in Uchtspringe gemacht hat und die beiEpileptikern und Idioten keineswegs immer günstig waren. Von denEpileptikern dürften sich in erster Linie die eignen, die sehr selten An-fälle bekommen und durchaus arbeitsfähig sind. Bei schulpflichtigenKindern wurde, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, die Wahrnehmunggemacht, „dass sie geweckter wurden und merkliche Fortschritte in ihrergeistigen Entwicklung machten".
Unter den Kranken, die von Dalidorf aus in Familienpilege gegeben