Sonderlcrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 475
liehe Anstalt für Epileptische; dagegen Privatanstalten confessionellenCharakters in Berthen und in Kork.
In den kleineren mittel- und norddeutschen Staaten bestehen keinebesonderen Anstalten, die Kranken sind in Irrenanstalten, Siechenhäusern,Idioten-Anstalten. Ein grosser Thcil der Epileptischen, namentlich derjugendlichen, wird seitens der westlichen Staaten in Bielefeld, von denmehr östlich gelegenen in den Neinstedter Anstalten, von den nördlichenbesonders von Hamburg in AIsterdorf untergebracht.
Ueberall wird über ungenügende Möglichkeit, die Epileptiker zu ver-sorgen, geklagt.
In Aussicht genommen ist die Errichtung besonderer Anstaltendurch private Wohlthätigkeit im Herzogthum Anhalt und im Gross-herzogthüm Hessen.
In Braunschweig ist durch die Bemühungen des Dr. Bcrkhanein Fond zur Gründung eines Luisenstiftes gesammelt.
Von Seiten des Staats oder von grösseren Verwaltungs-bezirken, ist demnach die Fürsorge nur in Prcusscn und inSachsen geregelt.
In den preussischen Provinzen ist die Ausführung der Fürsorgemeist noch in der Entwicklung und in einem Ucbergangsstadium be-griffen.
In den übrigen deutschen Staaten bestehen einige wenige eigentlicheEpileptiker-Anstalten. Völlig genügt die voi'handene Fürsorge nochnirgends.
Trotzdem steht Deutschland hinter anderen Ländern keineswegszurück. Auch in anderen Ländern ist die Sonderfürsorge für Epileptischehinter den anderen Werken wohlthätiger Nächstenliebe zurückgeblieben.
In Frankreich haben die Abtheilungen für Epileptiker in derSalpetriere und in Bieetre einen alten Namen. Aber nicht durch ihreBaueinrichtungen und ihre Organisation, die unseren Anforderungen nichtmehr entspricht, sondern durch den Klang hervorragender Aerzte, diedort gewirkt haben und noch wirken, und denen wir viel von unseremWissen über die Epilepsie verdanken. Ich erinnere an Lo Grand duSaulle, Voisin, Fournier, Bourneville.
Was die eigentliche Fürsorge betrifft, ist die schon erwähnte gross-artige Schöpfung des Pfarrer Bost in Laforcc zu erwähnen.
Eine andere grosse Anstalt ist im Besitz und steht unter der Leitungder Schwestern von St. Vincent de Paul bei Tain im Departement dela dröme, l'asile de la Teppe.
In Lyon hat die Frau Marie Henriette Courajod eine grosseStiftung für die Behandlung der Epileptischen gemacht, denen thcils inden Spitälern, thcils ambulant Hülfe zu Thcil wird.
Auffallen muss es, dass in England, dessen IiTcnfürsorge derganzen Welt zum Vorbild gedient hat, so spät eine Sonderfürsorge fürEpileptische ins.Leben gerufen worden ist. Die bekannten Kranken-häuser in London „The national hospital (or the paralysed and epileptics"