Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
453
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Sonderlirankenanstälten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 453

igerichtet sein, ebenso die Verpflegung. Aleohol dürfte nicht gegeben

werden.

Möbius denkt zunächst nur an Anstalten für männliche Kranke.

Die Mittel sollen beschafft werden durch die private Wohlthätigkeit,Gründung einer Art Actiengesellschaft, die sich mit geringem Zinsgewinnoder der allmählichen Tilgung der Schuld begnügen würde. Auch ein-zelne Gesellschafts-Gruppen, Lehrer, Beamte könnten an Errichtungsolcher Anstalten denken. Ferner könnten sich Berufsgenossenschaften,Versicherungsanstalten, Krankenkassen mittelbar und unmittelbar daranbetheiligen.

Der Gedanke von Möbius ist richtig und fruchtbar. Einige Be-denken gegen die practische Ausführung des Plans lassen sich nichtunterdrücken. Möbius hat die landwirtschaftliche Colonie der Irren-Anstalt im Auge. Aber die Irrenanstalt verfügt über einen Stammarbeitsfähiger Insassen, der jahrelang bleibt. In der Nervenheilanstaltwechseln die Patienten. Beim Betrieb der AVirthschaft kann man sichauf ihre Mithülfe nie ganz verlassen, da die Arbeit durchaus freiwilligist. Das wird wieder zur Folge haben, dass man gerade die wichtigenund befriedigenderen Theile der Arbeit den Patienten wird selten über-tragen können. Ich habe noch ein anderes Bedenken. Gerade die un-gebildeteren, an grobe Muskelarbeit gewöhnten Besucher dieser Anstaltwerden wenig geneigt sein, Arbeit zu leisten:das können wir zu Hausehaben, dazu sind wir nicht da". Auseinandersetzungen über denGe-sundheitswerth und den Segen der Arbeit" werden nicht viel zugänglichsein. Man denke an das trostlose Gebiet der Unfallsneurosen, die manunmöglich von diesen Anstalten wird fern halten können.

Diese Bedenken sind aber keineswegs so schwerwiegend, dass mannicht dringend zu einem Versuch rathen könnte. Es ist mit Freuden zubegrüsson, dass die Gründung einer Anstalt im Sinne von Möbius innächster Zeit begonnen werden wird.

Wenn einmal die Probe mit Erfolg gemacht worden ist, so werdendie Mittel zu weiteren Gründungen auf dem einen oder anderen AVegezu beschaffen sein. Mit einer Categorie von Anstalten wird man nichtauskommen, eine sociale Scheidung ist unumgänglich nothwendig. DennEinführung verschiedener Verpflegungsweisen in ein und derselben Anstaltführt zu Missständen, verteuert den Betrieb und macht ihn umständlicher.

Analoge Anstalten für weibliche Patienten zu gründen, wäresehr dankenswerth. Ueber die Schwierigkeit Nervenkranke weiblichenGeschlechts in den bis jetzt bestehenden Nervenanstalten zu beschäftigenhaben wir oben gesprochen. Man könnte daran denken für neurastheniseheMädchen eine Art Haushaltungsschule zu schaffen. Diese müsste vonvornherein darauf eingerichtet sein, dass man es nicht mit vollen Arbeits-kräften zu thun hat. In Württemberg giebt es eine solche Anstalt zunächstnoch in bescheidenem Umfang 1 ). In der Nähe von Berlin besteht eine

x ) tn Lauften a. N. in derVilla Friedland".