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1 (1899)
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445
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 445

handelt werden können. Für eine grosse Anzahl ist die zeitweise Ent-fernung aus ihrer Umgebung die erste Bedingung der Behandlung.

Schon die äussere Durchführung der einfachsten Cur stösst zu Hause oftauf die grössten Schwierigkeiten. Weit schlimmer sind die psychischenSchädigungen, die in der Thorheit und dem Unverstand der Umgebung,in unangenehmen Familien- und Berufsverhältnissen ihren Grund haben.Der Einduss des Arztes kann sich erst dann in vollem Umfange geltendmachen, wenn er ohne schädliche Gegenströmungen das Leben, und Treibendes Kranken in jeder Hinsicht bestimmen und leiten kann.

Das ist nur in Sonderanstalten möglich, die nach ärztlicher undgesellschaftlicher Richtung hin für Nervenkranke eingerichtet sind.

Die Entwicklung der Nervenheilanstalten.

Zu den Besuchern der Wasserheilanstalten, die in den 30 er Jahrenunter dem Einfluss der Wiedererweckung der Hydrotherapie durch Pries-nitz entstanden sind, haben von Anfang an die Nervenkranken eingrosses Contingent gestellt. Doch wurde von Priesnitz und seinenSchülern die Behandlung anderweitiger allgemeiner Ernährungsstörungenin den Vordergrund gestellt. Erst später wurden sie in erster LinieCurorte für Nervenleidende (Krüche). Durch die üblen Erfahrungen, dieman durch übertriebene Wasseranwendung bei beginnenden Psychosennamentlich bei der Paralyse gemacht hatte, kamen die Wasseranstaltenetwas in Verruf.

Eine neue Bewegung entwickelte sich am Anfang der 70 er Jahre,ihre Träger, unter denen ich Otto Müller und Walther nenne,gingen weniger von dem Gedanken an Nervenkranke als davonaus, dass es nothwendig sei, zur Ergänzung dergeschlossenen" Irren-anstaltenoffene" Heilstätten zu gründen, die zur Aufnahme der leichtenFormen und der ersten Anfänge der Psychosen bestimmt seien. SolchenAnstalten würden. sich viele zuwenden, die vor dem Odium und ' derUmständlichkeit, mit der der Eintritt in eine Irrenanstalt verbunden sei,zurückschreckten. Infolge dessen würden viele Geisteskranke früher inBehandlung kommen und mehr Aussicht auf Heilung haben. Für die.Möglichkeit, den Kranken in Nothfällen einer Beschränkung zu unter-ziehen, müsste Vorsorge getroffen sein.

Diese Bestrebungen sind nicht ohne Widerspruch von Seiten derPsychiater geblieben. So hat Lahr seine Bedenken nicht verhehlt undspäter hat Brosius sich entschieden gegen die Behandlung der Psychosenin offenen Curanstalten gewandt. Die weitere Entwickclung der offenenAnstalten hat diesen kritischen Stimmen Recht gegeben. Die Aufnahmevon Psychosen im engeren und gewöhnlichen Sinn in Nervenheilanstaltenist nur in sehr beschränktem Umfang möglich. Bei einem grossen TheiLder Melancholischen steht die Gefahr des Selbstmordes der freien Ver-pflegung im Wege. Paranoiker, auch wenn sie harmlos sind, werdenden anderen mindestens lästig. Unruhige Kranke sind ohne weiteres