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1 (1899)
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443
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Sonderkrankenanstalten u. Fürsorge f. Nervenkranke. Epileptische u. Idioten. 443

sonst wird die Sache den Leuten langweilig und sie geben esganz auf.

Für einzelne Fälle und wo sehr kräftige Athemübungen, Gymnastikder Bauchmuskeln u. Aelml. angezeigt ist, sind die Zanderischen Apparate zuempfehlen. Eine genaue Dosirung der mechanischen Arbeit ist fürunsere Kranken unnöthig. An einem Ruderphantom oder einem ähn-lichen Apparat genügend lang und eonsequent zu üben, dürfte nur einemMenschen mit nicht lebhaftem Geist möglich sein.

Bei Krankheiten von so ganz besonders chronischem Verlauf, diemonatelang in ärztlicher Behandlung stehen, muss man mit der Ver-ordnung von Arzneien sparsam sein.

Wenn möglich, beschränke man sich auf die harmlosen Nervina:Baldrian-Thee, Tinctura Chinae und ähnliches.

Den meisten Anzeigen bei Neurosen, der Bekämpfung der Angst-zustände, der inneren Unruhe, der Schlaflosigkeit entspricht das Brom.

Ununterbrochen sollen auch die harmlosesten Mittel nicht gegebenwerden. Der Patient soll nie meinen, dass ihm irgend ein Arzneimittelunentbehrlich sei.

Die hartnäckige Schlaflosigkeit allein erfordert unter Umständenstärkere Mittel, wenn wir mit Bädern, Wickeln, dem Brom u. a. nichtmehr auskommen. Dabei muss der Grundsatz gelten, dass man einMittel nie längere Zeit hintereinander giebt und dieHypnotica überhauptnur 12 mal die Woche verabreicht.

Die-Eisenpräparate werden, darin ist Holst beizustimmen, vielfachzu lange fortgegeben. Ganz entbehrt können sie bei den häufigen anä-mischen Zuständen nicht werden. Besonders zu empfehlen isthier der Gebrauch der natürlichen Eisenarsenwässer wie des Levico- undRoncegno -AVassers.

Die Luftcurorte für Nervenkranke.

Bei der AVahl eines Erholungsortes spielen persönliche Neigung,der Geldbeutel und andere Umstände äusserer Art eine so grosseRolle, dass es kaum möglich ist, allgemeine Regeln aufzustellen.

Im Ganzen eignet sich nach meiner Erfahrung das waldige Mittel-gebirge am besten zum Erholungsaufenthalt für Nervöse. Man hat dieAuswahl zwischen Schwarzwald, Harz, Vogesen, Spessart, BayrischemWald, den Verbergen der Alpen, namentlich des Bayrischen Hochlands.

Es muss darauf gesehen werden, dass der Patient einfache Bequem-lichkeit und gute Verpflegung hat. Die höchst primitiven Wohnungs-verhältnisse in vielen Luftcurorten, die sich in Annoncen breit machen,kann der Tourist mit in den Kauf nehmen. Dem erholungsbedürftigenNervenkranken wird zu grosse Ursprünglichkeit nicht gut bekommen. Zubedauern ist, dass überall die hotelartige Verpflegung häufig genugmit geringer Qualität eingeführt ist. mit Fleischüberfütterung undAlkoholzwang. Man wird sich deshalb ab und zu entschliessen, die