Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Geisteskranke. 409
zur Aufnahme von Kranken bestimmt sind. Die Anstalt ist für 600Kranke, und zwar 300 männliche und 300 weibliche berechnet, untervollständiger räumlicher Trennung der beiden Geschlechter. Es bestehen3 Verpflegungsklassen, von denen in der I. Klasse 5 und in der IL Klasse20 in je einem Hause für Männer resp. Frauen untergebracht sind. Vonden übrigen 550 Kranken der III. Klasse werden 200, und zwar100 Männer und 100 Frauen, ruhige und arbeitsfähige, in der offenenAnstalt untergebracht. Diesem Zwecke dienen je 3 Häuser zu 33 bis
34 Kranken, welche ganz frei ohne Fenstergitter und Umwährung imParke liegen (offenes Thorsystem). Die übrigen 350 werden in dergeschlossenen Anstalt verpflegt. Es sind also für ca. 40 pOt. desKrankenbestandes Plätze in offener Verpflegung vorhanden. Die Kranken-abtheilungen zerfallen, für jedes Geschlecht gesondert, in eine Aufnahmc-abtlieilung, eine Siechenabtheilung und in je eine Abtheilung für Halb-ruhige, Epileptiker und Unruhige, sowie je eine Lazareth-ßaracke. DieLage der einzelnen Gebäude zu einander geht ohne weiteres aus demnebenstehenden Plane hervor.
Sämmtlichc zur Aufnahme von Kranken bestimmte Gebäude liegenin Gärten, die mit Ausnahme des Gebäudes für Unruhige und Epileptikermit einfachen Zäunen umfriedigt sind. Ein eben solcher Zaun umgiobtdie ganze geschlossene Anstalt. Nur die Gärten für Unruhige und Epi-leptiker sind mit Mauern umgeben. Alle Gebäude sind in Ziegelrohbauausgeführt, alle Wohnräume unterkellert. Fast alle Häuser stehen inihrer Längsachse von Nord nach Süd. In der Regel sind die Wohn-räume im Erdgeschoss, die Schlafräume im ersten Stockwerk gelegen;nur im Pensionärhaus, der Aufnahme- und Siechenabtheilung liegenTages- und Schlafräume in demselben Stockwerk. Die Dächer, mitAusnahme des der Kirche, sind in Holzcement ausgeführt; der Fuss-boden in der ganzen geschlossenen Anstalt ist Eichenholz-Parquet, das,wo erforderlich, in heissen Asphalt gelegt ist; die Wände sind in denKrankenabtheilungen auf 2 m Höhe mit Cement verputzt und mit Oel-farbe gestrichen. Die Treppen der Krankenabtheilungen sind unverbrenn-bar angelegt; alle Wohn- und Schlafräume sind mit Doppelfenstern ver-sehen. Alle Krankenhäuser der geschlossenen Anstalt haben besondereBadeeinrichtung. In der offenen Anstalt und in den Wohn- und Bureau-räumen der Beamten besteht Ofenheizung. Die Kleiderkammern be-finden sich bei allen Häusern unter dem Dach.
Die Aufnahmeabtheilung enthält 2 grosse durch die ganze Tiefedes Gebäudes gehende, nebeneinander liegende Krankensäle, durch eineThür mit einander verbunden, von welcher der erste Saal für perma-nente Wache, der zweite für Kranke bestimmt ist, welche aus nichtpsychischen Gründen der Bettlage bedürfen. Auf jeden Kopf kommen
35 cbm Raum. Aus beiden Sälen sind Ausgänge in den Tageraumund von da in die Garten voran da; die Fenster sind vergittert. Dazugehören noch 2 Isolirzimmer, Baderaum, Waschraum, Closet und Geräthe-raum. Das aus zwei Stockwerken bestehende Gebäude für Halbruhige
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