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und Unterbeinkleider mussteu sie sich an einen breiten Kollerbund-Gürtel zum Knüpfen umarbeiten, letzterer ruhte auf breiten Gurtbindenauf den Schultern. — Dass Lungenkranke russfreie Kleider tragen sollen,bat man selbst heute noch nöthig zu erwähnen.
Für Volksheilstätten, in denen man oft in die Lage versetzt wird,den Anforderungen der Cur nicht genügende Kleidung durch bessere zuersetzen, können Frauenvereine viel fhun, indem sie in Haushaltschulen,'Nähkränzchen, von Arbeitslosen u. s. w. Wäsche und Kleidung für diesenZweck anfertigen lassen.
Anstaltskleidung erhalten alle Insassen in den Berliner Heimstätten,facultativ z. B. in Stiege. Meist bringen sie ihre eigene Kleidung mit,die allerdings oft vorher, namentlich von den Invaliditätsversicherungs-anstalten auf einen „salonfähigen" Stand gebracht wird.
23. Der Auswurf und seine Beseitigung.
Mit wenigen Ausnahmen stellt man heute auf dem Standpunkte,dass die Beseitigung der Disposition zur Tuberculose wichtiger sei, alsder Bacillenfang. Aber doch ist die Beseitigung und das Unschäd-lichmachen des Auswurfs mit Sorgfalt durchzuführen, da die Zahl derDisponirten eben noch eine sehr grosse ist und die Ursachen dazu somannigfache sind, dass wir sie so bald nicht aus der Welt zu schaffenvermögen.
Aufsehen erregten die Veröffentlichungen Flügge's über die Frage,wie eigentlich die Infection geschehe. Während unter Vorantritt nament-lich Cornet's bewiesen zu sein schien, dass der mit dem Staube derZimmer, Strassen u. s. w. getrocknete und aufgewirbelte Auswurf ein-geathmet werde und so die Infection bewirke, fand neuerdings Flügge,dass auch die beim Husten, JSTiessen, Räuspern, lautem Sprechen in dieLuft geschleuderten und sich dort vermöge ihrer Kleinheit haltendenTröpfchen bacillenhaltig seien und eingeathmet werden könnten Ja, erging noch weiter, indem er die alte Ansicht als nur für seltene Fällezutreffend erklärte, die neue die Regel bildend. (Flügge, über Luft-infection. Zeitschr. f. Hygienie. XXV, Seite 179—224, ferner Deutschemed. Wochenschrift 1897, No. 42 und 47. Wissemann, ebenda No. 45und 51. Mazza, ebenda No. 49. Volland, ebenda 1898, No. 7.)Der Praktiker wird mit Wissemann's Worten sagen: „Von gewohntenAnschauungen trennt man sich nur schwer, und es werden die in Aus-sicht gestellten neuen Experimente abzuwarten sein", und wird beiseinen Massnahmen beiden Meinungen Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Es ist zuerst in jeder Beziehung peinliche Reinlichkeit anzustreben.„Wer in diesem Punkte reinlich ist, hat schon das Wichtigste für dieDesinfection der Sputa und zum Schutze seiner Umgebung geleistet",sagt Hueppe nach einer derben Charakteristik jetziger Unsitte (Wienermed. Wochenschrift 1897, No. 49—50). Lungenkranke sollen, was an-ständige Menschen überhaupt nicht thun, nicht mit ihrem Löffel, Messer