Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 269
5. Frühdiagnose.
Alle die Erfolge sind indessen nur dann zu erreichen, wenn dieKranken im Anfangsstadium in die Heilstätte kommen, wenn also dieDiagnose der Krankheit möglichst frühzeitig gestellt wird. Währendman aber dies allenthalben und einstimmig einsieht, werden doch zur Er-reichung dieses Ziels von vielen falsche oder ungenügende Wege angegeben.Eine mehrfach aufgestellte Forderung erstreckt sich auf Untersuchungs-stationen für den Auswurf. Weicker schlug vor, dass die Invali-ditätsversicherungsanstalten die Diagnose der Tuberculose selbst in dieHand nehmen und eine Centralstelle für Sputumuntersuchungen errichtensollten. Die Versammlung Berliner Aerzte. Krankenkassenvorstände u. s. w.über die Tuberkulosefrage nahm als Punkt 4 ihrer Resolution an: „ZurFörderung der rechtzeitigen Erkenntniss der Schwindsucht muss die Er-richtung einer Centralstelle für bacterioskopische Untersuchungen, dieden oft vielbeschäftigten Kassenärzten unentgeltlich zur Verfügung steht,ins Auge gefasst werden, Avodurch die Stellung von Frühdiagnosen wesent-licht erleichtert werden würde," eine Forderung, welche auch Sonnen-berg-Bremen auf der Braunschweiger Naturforscherversammlung aus-sprach und welche u. a. auch Fielitz in seinem Gutachten aufstellt.Neuerdings ist (nach Heilstätten-Correspondenz 1898, N.o. 5) die Cen-tral-Commission Berliner Krankenkassen beim Cultusministerium in dieserxVngelegenheit vorstellig geworden. Nun ist es gewiss sehr richtig, wasHager in der Discussion über einen Vortrag Barsikow's in der Magde-burger medicinischen Gesellschaft sagt (Münchener med. Wochenschrift,1897, No. 45), dass man, wenn man von allen Kranken mit AuswurfSputumuntersuchungen anstellt, oft Bacillen findet, wo Niemand sie ver-muthet, bei Leuten, welche sich mit ihrer Tuberculose scheinbar wohlfühlen. Dass aber die Bacillenuntersuclmng ein wesentliches Mittel zurFrühdiagnose der Tuberculose sei, muss ich entschieden in Abredestellen; zur Diagnose wohl, aber nicht zur Frühdiagnose. Es istnicht richtig, wenn Weicker schreibt: „Der Einwand, dass eine Reihevon Patienten im beginnenden Stadium der Schwindsucht keinen Aus-wurf habe, dass in gewissen Fällen die bacteriologische und chemischeUntersuchung im Stiche lasse, wird bei der Grösse des Materials als hin-fällig zu bezeichnen sein." Schon Spengler fand bei sogar 6 pCt. derschwer Kranken keine Bacillen. Wenn man aber mit einem gutausgesuchten Material von Anfangsfällen zu thun hat, wie es in St.Andreasberg der Fall war, kommt man zu anderen Ergebnissen. VorEröffnung der Heilstätte, wo noch mancher Fall mit unterschlüpfte, dernicht geeignet war, fanden sich von 122 nur bei 22 pCt. der KrankenBacillen und zwar alle Fälle gerechnet, wo auch nur einer der beidenUntersucher (in den Hansestädten der Vertrauensarzt, in St. Andreas-berg ich) Bacillen fand, während bei 29 pCt. der Fälle sowohl in derHeimath, als am Curorte jeder Auswurf fehlte. In der Heilstätte beistrenger ausgewählten Fällen waren von 110 18 pCt. ohne Auswurf