Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 165

schuf eine Reihe der prächtigsten Bauten, die als Anstalten für Irre,Idioten und Epileptische, Taubstumme, Blinde und für den Unterrichtin der Hebammenkunst Verwendung finden.

Die sociale Gesetzgebung verlangte in der Krankenversicherung un-abweisbar den Bau von' Krankenhäusern grösseren und kleineren Um-fanges. Die Unfalls- und Invaliditätsversicherungsgesetze ermöglichtenAnstalten für die Nachbehandlung Verletzter, für die Verpflegung Ge-nesender und für die specielle Behandlung von lungenkranken In-validen.

Auch sonst entstanden im Anschluss hieran nicht nur überallHeilstätten, die der herrschenden Ansicht über die Behandlung beiLungenschwindsucht entsprachen, sondern auch Sanatorien der verschie-densten Art.

Die. Fürsorge für Mutter und Kind veranlasste die Gründung vonWöchnerinnenasylen, Wochciipllcgerinncnanstalten, Krippen, Kinderheil-stätten, Seehospizen und Anderem.

Das Rettungswesen entwickelte sich im Deutschen Samariterbundund der Berliner Rettungsgesellschaft. Der Krankentransport wurdezum Gegenstand eingehender Bestimmungen und Uebungon gemacht.

Ueberall beginnt man nicht nur an das berufsmässige Pflegepersonalhöhere Anforderungen bezüglich der Vorbildung und Ausbildung zustellen, die Zeit des Unterrichts wesentlich zu verlängern und die prak-tische Bethätigung der Fähigkeiten vor der Aufnahme in die Genossen-schaft in erster Linie zu betonen, sondern man sucht auch dasPublikum selbst über die gewöhnlichsten Forderungen der Kranken-pflege durch Einrichtung ärztlicher Lehrkurse und Vorträge aufzuklären.Der unendlich wichtige öffentliche Sanitätsunterricht gewinnt .stetig anAufnahme und Umfang.

Das wesentlichste Moment in dem augenblicklichen Entwicklungs-abschnitt der Krankenpflege liegt jedoch darin, dass man anfängt, diegesammte Krankenpflege als eine eigene Wissenschaft zu betrachten,als eine der inneren Medicin, Chirurgie, Hygiene etc. ebenbürtige Dis-ciplin der Medicin. Der grosse Kliniker, E. von Leyden, verkündetedies in seiner Eröffnungsrede des 15. Congresses für innere Medicin inBerlin mit folgenden trefflichen Worten:Die Krankenpflege, in ihrerBedeutung nunmehr allgemein anerkannt, erhebt sich, besonders durchdie Entwicklung der letzten Jahre, mehr und mehr zu einem unentbehr-lichen, selbstständigen Specialfache der wissenschaftlichen Medicin."

Die im Königl. Charitekrankenhause in Berlin als Unterrichtsmitteleingerichtete Krankenpflegesammlung ist ein Beweis dafür, dass auchan maassgebender Stelle in Prcusscn die Notwendigkeit eines gutenKrankenpilegeunterrichts anerkannt und gewürdigt wird. Nicht nur dasPflegepersonal, sondern vor allen Dingen auch die Aerzte selbst müssenin der Kunst die Kranken zu pflegen, besonders und eingehend unter-richtet werden.

Die Besserung der ärztlichen Leistungen und Kenntnisse in der