132. Dietrich,
bethätigten. Das rege Interesse, welches die Unterweisung hervorrief, veranlasste, dieletzteren zu einer eingehenderen, genaueren Belehrung heranzuziehen, gleichzeitigmit dem Bestreben, aus ihnen eine Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger imKriege heranzuziehen. 21 Lehrerfolgten der Aufforderung; sie bilden in Frankfurtden Stamm jener Genossenschaft, für die ein erfreuliches Wachsthum zu erhoffen ist.Der 2. Kursus mit 28 Lehrern hat im November v. J. begonnen. Die Schulungtüchtiger Kräfte für den Kriegsfall ist um so höher anzuschlagen, als die dortigeKriegerkameradschaft für ihre Sanitätskolonnen den'1892 geschlossenen Vertrag nichterneuert hat. Derselbe stellte für den Kriegsfall eine Abtheilung von 16 ausgebildetenLeuten dem Verein zur Verfügung, während dieser die Verantwortlichkeit für dieLöhnung der Sanitätsmannschaft übernahm. Diese Verantwortlichkeit war von grosserpriricipieller Wichtigkeit; erst durch sie wurde die auf dem Papier stehende Ziffer fin-den Ernstfall gesichert. Verschiebungen in der Organisation der Sanitätskolonnen,die den Provinzialvereinen unterstellt worden sind, haben die örtliche Verbindung ge-lockert und zum Erlöschen des Vertrages geführt.
Finanzlage des Vereins im Jahre 1896: Einnahmen: 81308 M.; Ausgaben:70458 M.
Der Vaterländische Frauenverein in Kassel.
Derselbe, zählte im Jahre 1896 32 Zweigvereine und 4566 Mitglieder. Berufs-mässige Krankenpflegerinnen wurden 83 beschäftigt, darunter 73 Schwestern vomRothen Kreuz. Für den Fall des Krieges stellt der Verein, zugleich in Gemeinschaftmit dem Bezirksverein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger,128 Pflegerinnen und 29 Pfleger. Ferner sind im Kriegsfall von den Zweigvereinenin Aussicht gestellt: 22 Verband- und Erfrischungsstationen an Bahnhöfen, die Er-richtung von 23VereinsIazarethen mit 614 Betten, die vollständige Uebernahme zweierstaatlicher Reservelazarethe mit 267 Betten, die gänzliche oder theilweise Besorgungder Verwaltung bei 16 weiteren Lazarethen, von 1 denen 14 zusammen 2352 Bettenzählen, 2 noch unbestimmt gelassen sind. Endlich werden 9 Genesungsstationen mit331 Betten eingerichtet; 32 Vereine bringen Genesende in Familien unter, und zwar12 davon 475, während 10 die Zahl der Unterzubringenden noch unbestimmt ge-lassen haben.
Der Schwesternverband des Ortsvereins Kassel bestand aus der Frau Oberin,58 Schwestern und 14 Pflegeschülerinnen, zusammen 73. An Urlaub wurde denSchwestern 1159 Tage ertheilt, durchschnittlich 20 Tage, ausserdem erhielten8 Schwestern längeren, mehrmonatlichen Urlaub.
Zur theoretischen Ausbildung der Schwestern linden drei- bis sechsmonatlicheUnterrichtskurse statt. Daneben ertheilt ein Geistlicher und der Vorsitzende denSchwestern weitere Unterweisungen in ihren Berufspflichten. Ein Apotheker giebtUnterricht in pharmaceutischen Handreichungen.
Der Verein von Krankenpflegerinnen in Stuttgart.
Der unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Königin stehende Verein fürKrankenpflegerinnen besteht schon seit dem Jahre 1872, hatte früher seinen Sitz inHeilbronn und seinen Mittelpunkt im Olgahaus. Allerlei ungünstige Verhältnisseführten schliesslich Anfangs der 90er Jahre zur Auflösung des Vereins in Heilbronn.Das Olgahaus wurde von der Stadt käuflich übernommen, die Schwestern vorüber-gehend in Steinheim beiGeidenheim untergebracht, bis sie. nachdem am 6. Dezember1892 sich der Verein für Krankenpflegerinnen neu gegründet hatte mit dem Sitz inStuttgart, und hier von demselben das zugleich als Spital und als Mutterhaus die-