Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 131
überliess man bald einen Theil des Hauses einem Augenärzte als Augenklinik. DerMangel an den nöthigen geschulten Pflegekräften machte sich nun bald sehr fühlbar;man beschloss, Schwestern auszubilden, wozu sich später aber das Krankenmaterialals ungenügend erwies. Es wurden daher nun auch Männer und Frauen in den dreiüblichen Verpflegungsklassen aufgenommen. Die Zahl der Schwestern wuchs lang-sam. Sobald aber eine Kraft zu erübrigen war, begann man, die Schwestern zurPflege in Privathäuser zu schicken, da hierfür grosse Nachfrage war. Allmählig fandenjährliche Unterrichtskurse für die Schwestern statt; auch die Anforderungen hin-sichtlich der Ausbildung wuchsen, so dass man nun den Unterricht mit einem öffent-lichen Examen abschloss. Die Zähl der Schwestern stieg allmälig auf 30. DieseZahl wurde auch bis heute noch als Grenze angesehen. Das Vereinshospital undSchwesternhaus geht nicht darauf aus, diese Zahl erheblich zu überschreiten. Da-durch aber, dass fast alle Jahre eine Anzahl Schwestern aus mancherlei Anlässenaustreten (es hat sich im Laufe der Jahre eine grosse Anzahl verheiralhet), ist bisherimmer genug Gelegenheit geboten, alle Jahre neue Kräfte auszubilden.
Zur Zeit stellt sich die Zahl der Schwestern auf 32, darunter eine Anzahl Lern-schwestern, die zum Frühjahr voraussichtlich ihr Examen machen werden. Vondiesen etwa 30 Schwestern erfordert die Krankenpflege im Hospital je nach Bedarf10—12 Schwestern, ausserdem arbeiten 6 Schwestern auf Aussenstationen (Klinikenund Gemeindepflege); die übrige Zahl bleibt für die Privatpflege, welche sich aufElberfeld und Umgegend erstreckt. Im Kriegsfälle wird das Hospital, welches jetztfür durchschnittlich 35 erwachsene Kranke und 25 Kinder eingerichtet ist, alsLazareth mit 50 Betten zur Verfügung gestellt. Nach bisheriger Bestimmung stehenmindestens 12 ausgebildete Schwestern für den Kriegsfall bereit, während die nöthigenKräfte zur Pflege im Lazareth reservirt bleiben.
Der Vaterländische Frauen-Hilfsverein in Hamburg.
Der Verein besitzt ein Vereinshospital, in dem er Schwestern ausbildet, ausser-dem ein Krankenpflegerinnenasyl. Die Einnahme betrug pro 1896: 85736 M., dieAusgabe 84593 M.
Der Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankterKrieger in Frankfurt a. M.
Im Jahre 1867 gegründet, hat der Verein sich ununterbrochen durch Förderungder Krankenpflege im Kriege und im Frieden bewährt, indem er Hospital- undPrivat-pflege gleichmässig unterstützte, ein eigenes Krankenhaus errichtete, eine eigeneSchwesternschaft schuf und die Kenntnisse der Krankenpflege in weiteren Kreisendurch Kurse zu verbreiten suchte. Aus dem Rechenschaftsbericht für 1896 lässt sichFolgendes ersehen: Auf den Arbeitsfeldern waren thätig: in der Privatpflege22 Schwestern, im Bürgerhospitale daselbst 1 Oberschwester, 15 Schwestern, ananderen Orten und Anstalten 9 Oberschwestern-und 23 Schwestern. Den Unterrichtder Lehrschwestern hatte für Frankfurt das Vorstandsmitglied Hr. Dr. Vohsen, fürHanau der Assistenzarzt des Landkrankenhauses Hr. Dr. Pancritius übernommen. Am10. October d. J. bestanden 10 Schwestern die von beiden genannten Herren abge-haltene theoretische Prüfung. Die Neigung, nur bis zur vollendeten Ausbildung einemVerein vom Rothen Kreuz anzugehören, um sich dann selbstständig der Krankenpflegezu widmen, hat den Austritt von 6 Schwesiern zur Folge gehabt; 3 nahmen die Ent-.lassung, um sich zu verheirathen, 3 wurden als ungeeignet entlassen. Die Zahl derSchwestern musste wegen der Enge der Unterkunftsräume im Vereinshause auf 70ergänzt bleiben. Von November bis März fanden, wie in den Vorjahren, sogenannteSamariterkurse statt, an denen 27 Lehrerinnen und 23 Lehrer der dortigen Schulen sich