Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 115
ritterorden vom heiligen Georg einerseits und dem Landeshilfs- und Frauenvercinanderseits und zwar aus 6 Vertretern der drei Vereinigungen besteht.
Auf der am 28. April 1897 abgehaltenen V. Generalversammlung wurde ein-gehend über die Thätigkeit des Centralkomites und seiner verschiedenenAbtheilungen,sowie der Kreis- und Zweigvereine berichtet. Hier sei zunächst hervorgehoben, dassdie Zahl der Zweigvereine 280 beträgt, (Oberbayern 44, Niederbayern 31, Pfalz 44,Oberpfalz 34, Oberfranken 33, Mittelfranken 27, Unterfranken 36, Schwaben 31) mit31760 Mitgliedern. Für die Vereinsthätigkeit auf Kriegszweck sind 27 Delegirte,49 Aerzte, 4 Geistliche, 5 Rechnungsführer, 4 Materialverwalter, 1 Packmeister und7 Unterbedienstete zur Verfügung. Die weiblichen Kräfte berechnen sich auf 1128,nämlich 1026 Pflegerinnen, 60 Köchinnen und 42 Dienstmädchen. Unter diesen236 Berufspflegerinnen 13 Schwestern vom Rothen Kreuz, 22 Schülerinnen vomRothen Kreuz, 30 vom Rothen Kreuz ausgebildete Pflegerinnen, 50 Berufspflegerinnen,61 Ordensschwestern und Diakonissen, ausserdem 790 Damen, die Unterrichtskursedurchgemacht haben. Unterrichtskurse fanden an 10 Orten mit 298 Theil-nehmerinnen statt.
Ueber das Pflegewesen steht fest, dass der Verein Anfangs 1897 65 Pflegekräftehatte, 60 Berufs- und 5 Probeschwestern; ausserdem 14 Schülerinnen. Ferner haben11 Fräulein nach ihrer Ausbildung den Revers für freiwillige Krankenpflege unter-schrieben, d. h. dass sie im Bedarfsfalle sich dem Verein zur Disposition stellen wollen.
Die Pensionskasse für die Schwestern betrug Ende 1896: 55750,26 Mk. undzwar 54712 in Papieren und 1038,26 in Baar.
Das Vermögen des Centralkomites betrug 900000 Mk., das Vermögen derKreisausschüsse und Zweigvereine 462169,73 Mk. Die Einnahmen betrugen pro 1896:68717,48 Mk., die Ausgaben 75585,12 Mk.
j) Sachsen.
1. Der Landesverein zur Pflege im Felde verwundeter und er-krankter Soldaten für das Königreich Sachsen. (Männerverein).
Der Verein bestand schon im Jahre 1866, wo er seinen Landsleuten durch dieEigenthümlichkeit der Verhältnisse nur sehr selten Hülfe leisten konnte, während ereine grosse Zahl verwundeter Preussen und Oesterreicher verpflegte. 1870 war er inGemeinschaft mit dem Albertverein thätig. Nach dem Kriege war seine Wirksamkeiteine bescheidene. Erst in jüngster Zeit hat sie sich gehoben. Die Hauptthätigkeit desVereins erstreckt sich auf die Ausbildung von freiwilligen Krankenträgern und auf dieUnterstützung und Unterhaltung der „Deutschen Heilstätte" in Loschwitz bei Dresden,die für den Kriegsfall zu einem grossen Vereinslazareth ausersehen ist. Zu Beginn desJahres 1897 waren 37 Sanitätskolonnen mit 762 ausgebildeten Mitgliedern vorhanden,von denen 564 dem Sanitätsdienst im Kriege zur Verfügung stehen.
2. Der Albertverein. (Frauenverein).
Eine ganz andere Verbreitung hat dagegen der im Jahre 1867 (September)durch die damalige Kronprinzessin, jetzige Königin Karola gegründete „Albert-Verein" erlangt. Im Kriege 1870 bildete er mit dem Landesverein zur Pflege etc.den „Internationalen Hülfsverein für das Königreich Sachsen."
Die Friedensthätigkeit des Albertvereins konzentrirt sich auf die Ausbildungvon Krankenschwestern, Albertinerinnen, die in dem Krankenhaus des Vereins, demKaroiahaus in Dresden in der ihm mit dem Laudeshülfsverein gemeinschaftlich ge-hörenden Heilstätte für deutsche Invaliden in Loschwitz bei Dresden, sowie in denKliniken zu Dresden ausgebildet werden. Die Albertinerinnen sind über das ganzeLand verbreitet und widmen sich der Hospital-, Gemeinde- und Privatpflege.
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