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1 (1899)
Entstehung
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77
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 77

2. Diakonissen.

Der Begründer der Mitarbeit der evangelischen Frau an der Pflege der Krankenund Bedürftigen jeder Art ist Pfarrer Theodor Fliedner, geb. am 21. Januar 1800in Eppstein. Schon am 18. Januar 1822 zog der junge Theologe, vom Konsisto-rium zu Köln zum Pfarrer der kleinen evangelischen Gemeinde in Kaiserswertham Rhein erwählt, hier ein zur Amtstätigkeit unter ganz besonders schwierigenVerhältnissen. Die kleine evangelische Kirche in der alten Kaiserpfalz, wo imJahre 1062 Heinrich IV. seiner Mutter Agnes, der Wittwe Heinrichs III. unterderen Augen, vom Erzbischof Hanno von Köln, entführt wurde, sollte kurz nach-dem Fliedner sein Amt angetreten hatte, subhastirt werden, weil ein Sammet-fabrikant, der zu ihrem Bau 500 Thaler vorgestreckt hatte, Bankerott machte. Ob-wohl dem Pfarrer Fliedner vom Konsistorium schon vier Wochen nach seinem Amts-antritt zwei andere Pfarrstellen angeboten wurden, da man die evangelische Kirchen-gemeinde in Kaiserswerth nunmehr eingehen lassen wollte, blieb er doch seiner Ge-meinde treu und unternahm eine Kollektenreise im Rheinland, nach Holland undEngland, auf der er ein hinreichend grosses Kapital zusammenbrachte, um den Be-stand der Gemeinde zu sichern. Auf dieser Reise lernte er eine Menge wohlthätigerAnstalten für Leibes- und Seelenpflege, Schul- und Erziehungsanstalten, Armen-,Waisen- und Krankenhäuser, Gefängnisse und Gesellschaften zur Besserung der Ge-fangenen etc. kennen und fühlte sich mächtig angeregt. Die erste Frucht dieserAnregung -war die am 18. Juni 1826 erfolgte Gründung der Rheinisch - westfälischenGefängniss-Gesellschaft. Ihr folgte die Gründung eines Frauenvereins aus evangeli-schen und katholischen Damen zur Fürsorge für entlassene weibliche Gefangene,denen man nunmehr ein Asyl zu gründen bestrebt war. Fliedner erklärte sich be-reit, die Gründung dieses Asyls in Kaiserswerth zu versuchen. Seine Gattin,Friederike, geborene Münster, und deren Freundin, Katharina Göbel aus Braunfels,halfen ihm dabei, so dass am 17. September 1833 der erste Asylspflegling aus demZuchthaus in Werden in dem Gartenhäuschen in der Pfarre in Kaiserswerth unter-gebracht werden konnte. Bald kamen andere, man miethete ein Haus von der Ge-meinde und verlegte das Asyl dorthin. Fliedner gründete nun noch 1835 eine Strick-schule für arme Kinder. Doch lag ihm die Gründung einer Anstalt zur Erziehungvon evangelischen Krankenpflegerinnen nach dem altchristlichen Vorbild am meistenam Herzen. Der Oberpräsident v. Vinke schlug Elberfeld als den Ort der Gründungvor, allein die dortigen Geistlichen lehnten die Uebernahme der Arbeit ab und for-derten Fliedner auf, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ebenso ging es ihmin Düsseldorf, Duisburg, Mettmann und Barmen. Fliedner sah sich deshalb nacheinem passenden Hause um. 1836 wurde ein grosses Haus in Kaiserswerth käuflich,das Fliedner am 20. April jenes Jahres für 2300 Thaler kaufte. Das Geld wurdeihm von freunden dazu geliehen. Am 30. Mai 1836 wurde im Hause des Regierungs-präsidenten, Grafen Stolberg in Düsseldorf, das Statut eines Rheinisch-westfälischenDiakonissenvereins unterzeichnet. Eine ältere Jungfrau, Gertrud Reichardt, dieSchwester eines in Ruhrort lebenden Arztes, die schon viele Jahre lang Kranke ge-pflegt und verbunden hatte, liess sich bereit finden, im October 1836 als erste Diako-nisse den Dienst in dem neubegründeten Krankenhause zu beginnen, doch konntesie nicht vor dem 20. October kommen; so ist das Diakonissenhaus in Kaiserswertham 13. Oktober 1836 ohne Diakonisse, nämlich durch eine andere christliche Jung-frau aus Düsseldorf, die sich zur Aushilfe bereit erklärt hatte und durch das Dienst-mädchen Fliedner's eröffnet worden. Als Schwester Gertrud nun mit einigen Aspi-rantinnen des Diakonissenberufs eintraf, fanden sie schon mehrere Kranke und Ar-beit genug vor. Seitdem hat sich die Diakonissensache eines ausserordentlichenMachsthums zu erfreuen gehabt. Schon im 2. Jahre des Bestehens wurden zwei