Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 15
selbst die niedrigsten Wärterdienste verrichtete. Hedwig, die Gemahlin Heinrichs I.von Schlesien, betheiligte sich an der Gründung des Heil. Geislhospitals in Breslauund an der Pflege der Kranken in demselben. Fürstin Anna, Gemahlin Heinrich's II.von Schlesien (reg. 1238—1271) widmete sich mit frommem Eifer der Gemeindepflege,namentlich der Pflege der Aussätzigen, deren Geschwüre sie verband, dies haupt-sachlich in der Leproserie in Neumarkt (1234). Sie stiftete und förderte ferner dasHospital zu St. Elisabeth in Breslau (1253).
Das Hospital Maria Santa della scala de Siena in Mailand entwickelte sich imXIII. Jahrhundert zu einer ausgezeichnet organisirten, die mannigfachsten Zweckeumfassenden Wohlthätigkeitsanstalt. Das Siechen-, Kranken- und Findelhaus wurdedurch einen Arzt und Wundarzt aus der Zahl der Brüder verwaltet. Die im Findel-haus untergebrachten Kinder wurden zu je sechs von einer Frau verpflegt. Die Knabenerlernten im Hospital ein Handwerk und erhielten beim Austritt im 18. Jahre denErlös ihrer Arbeit. Die Mädchen wurden Nonnen oder verheiratheten sich und be-kamen dann eine Aussteuer.
Das Hotel Dieu in Paris diente erst seit Mitte des XII. Jahrhunderts zur Auf-nahme von Kranken. Die Einrichtungen waren damals höchst mangelhaft. Ein Saalwurde zuweilen mit 800 Kranken belegt. (Noch im Jahre 1785 wurden in dengrossen, aus zwei übereinander liegenden Etagen bestehenden Betten je sechs, inden kleinen 3 Fuss breiten je vier Kranke untergebracht. Die Krankenpflege wurdevon 130 barmherzigen Schwestern und 300 Wärtern besorgt. Die jährlichen Kostenbeliefen sich auf 400000 Francs.) In der Mitte des X1I1. Jahrhunderts überhäufteLouis der Heilige das Hotel Dieu in Paris mit Geschenken und gründete ähnlicheAnstalten in Fontainebleau, Pontoise und Vernon. Er stiftete in Paris das Blinden-institut der „Quinze vingt". In dieser Zeit gründeten Innungen und Genossen-schaften Fonds, um ihren Mitgliedern die Aufnahme in Hospitäler und Pflegeanstaltenzu sichern z. B. die Goldschmiede in Paris zum Zwecke der Unterbringung ihrer Er-krankten in das Hotel Dieu.
In hervorragender Weise nahmen die Araber Theil an der Förderungder Krankenpflege, indem sie schon frühzeitig gut eingerichtete Kranken-anstalten erbauten. J)ie Nachfolger Mohammed's hielten es für ihrePflicht, der Barmherzigkeit und Liebesthätigkeit des Christenthums nach-zueifern.-
Der Erste, der zur Zeit des Islam ein Hospital zur Aufnahme von Kranken grün-dete, soll ums Jahr 707 p. Chr. der Kalif Welid Ben abdel Melik (reg. v. 705—715)gewesen, sein. Er stellte im Hospital in Damaskus Aerzte an und bestritt ihre Aus-gaben, er befahl die Aussätzigen einzusperren, damit sie nicht auf den. öffentlichenWegen und Plätzen angetroffen würden und sorgte für ihre und der Blinden Bedürf-nisse. Im 9. Jahrhundert wird ferner eines in Merv (Turkestan) bestehenden Kranken-hauses und der in demselben von Isah ben Massall angestellten Beobachtungengedacht.
Achmed Ben Tulun, Statthalter von Aegypten unter dem Kalifen el Motarz(f 884) erbaute 872—875 das Hospital auf dem heutigen Arah el Asker bei der StadtMisr (angeblich das erste, in Aegypten), vermachte ihm eine Anzahl Gebäude undrichtete ein Frauen- und Männerbad darin ein. Die Summe, die er für das Hospitaljährlich ausgab, belief sich auf 60000 Dinare. Das Hospital in Misr selbst erbaute957 Kafur el Ichschidi, Reichsverweser des Emir Amütschür Ben Muhammed el Icli-schid. Zu den ältesten in Bagdad erbauten Krankenhäusern gehörte das, das Sed-schah, die Mutter des Kalifen el Mosewekkil im 9. Jahrhundert gründete. Ferner eineStiftung aus dem Jahre 981 von Adhad Addaulad, dem Beherrscher der Beni-Baja,