TV • Vorwort.
vorbeugenden und der helfenden Armenpflege zu. Gegen .sittliche undgesellschaftliche Schädigungen und Schäden werden die Bestrebungen imErziehungs-, Bildungs- und Besserungswesen ins Feld geführt.Die Fürsorge für die Erhaltung der Gesundheit, besonders bei den ge-sundheitlich Gefährdeten bildet das eigentliche Arbeitsfeld der Gesund-heitspflege, während die Fürsorge für die bereits an ihrer Gesundheitgeschädigten, für die bereits Erkrankten die Aufgabe der Kranken-pflege darstellt.
Wenn heute nicht selten die Meinung zum Ausdruck gebrachtwird, das Zeitalter des Altruismus sei noch in ferner Zukunft und esherrsche in unserer Zeit ausschliesslich ein brutaler Egoismus, welcherunser ganzes Leben und unsere ganze Weltanschauung durchdringe, sobrauchen wir demgegenüber nur auf den gegenwärtigen Standpunkt dergenannten Gebiete hinzuweisen, um in überzeugender Weise darzuthun,dass wir doch schon in der Gegenwart zu einer sehr hohen Stufe alt-ruistischer Denkweise und Bethätigung gelangt sind. Denn alle diesegrossen Schaffensgebiete haben mit der emporblühenden Entwickelung derOultur eine achtunggebietende Vervollkommnung und Ausgestaltung er-fahren; sie sind zu besonderen umfangreichen Arbeits- und Wissensfächernherangewachsen, und ihr weiterer Ausbau wird von allen Seiten mit regemEifer betrieben. Die grössten Erfolge zeigen sich a,ber auf den beidenGebieten, welche uns als Aerzte ganz besonders interessiren, weil es sichhier um speciell medicinische Disciplinen und um die Sicherung undFörderung der menschlichen Gesundheit handelt, auf den Gebieten derGesundheitspflege und der Krankenpflege, über deren Umfang und zulösende Aufgaben man in unseren Tagen andere und viel weitergehendeAuffassungen gewonnen hat, als in "früherer Zeit. Nicht nur hat es diemedicinische Wissenschaft verstanden, sich die epochemachenden Er-rungenschaften auf dem Gebiete der Technik; die fundamentalen Ent-deckungen im Bereiche der exaeten Naturwissenschaften zu Nutze zumachen und zu segensreicher Anwendung zu bringen, sondern die fort-geschrittene geistige und sittliche Veredlung der Ansichten über Welt undMenschen hat sich immer grössere Kreise erobert, so dass auch dieausgedehnte Verbreitung menschenfreundlicher Gesinnungen erheblich dazubeitragen konnte, die Gesundheitspflege und die Krankenpflege auf dasgegenwärtige Niveau zu erheben.
Was nun im Besonderen die Krankenpflege, deren eingehenderDarstellung das vorliegende Handbuch gewidmet ist, anlangt, so musszunächst mit Nachdruck betont werden, dass, während man in früherenZeiten genug zu thun glaubte, wenn man dem Kranken das dürftigsteObdach und die zur Erhaltung des Lebens allernothwendigsten Lebens-mittel verabreichte, um ihn nicht gerade Hungers sterben zu lassen, man