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Hälfte, indem an zwei Stellen der französische Einfluss besondersauffällig hervortritt: ich meine den Vortritt des Kardinals vor demKönige, was im oberdeutschen Totentanze umgekehrt ist, und dannden Vortritt des Ritters und des Edelmannes vor dem Bürgermeister,was der Verfassung Lübecks widersprach, so dass Mantels dies gerade-zu durch eine spätere, freilich gar nicht verständliche Verwechselungerklären wollte. Beides war aber nur die Folge davon, dass derLübecker Dichter, wo er nicht strich oder Neues einschob, meistan der Reihenfolge seiner Vorlage, die ebendieselbe war wie inParis, festhielt. In der zweiten Hälfte des Gemäldes gestattete ersich eine weitgehende Abweichung von der Pariser Reihe, was durchden Ausfall von sechs Pariser Gestalten (Lehrer, Sergeant, Mönch,Advokat, Spielmann, Franziskaner) allein nicht zu erklären ist, weilauch die übrigen, beiderseits übereinstimmenden Personen in ganzverschiedener Weise aufeinander folgen. Es ist hier vielmehr mitder ganz allgemeinen, bei allen Nachahmungen eines Totentanzesund in jeder Hinsicht sich wiederholenden Thatsache zu rechnen,dass die Abweichungen sich im fortschreitenden Verlauf der Kopiesteigern, wohl infolge der abnehmenden Befangenheit des Kopisten,weshalb auch die anfängliche Übereinstimmung für den Vergleichvon grösserer Bedeutung ist als die spätere Divergenz.
So viel vom Inhalt und Text des Lübecker Totentanzes, worausdeutlich hervorgeht, dass der Dichter den französischenSchau spieltext, ob nun unmittelbar oder in einer Übersetzung,jedenfalls in derselben ursprünglichen Fassung, wiesie auch dem Pariser Künstler vorlag, bearbeitete,dabei dessen dramatische, für das Gemälde unpassende Formunüberlegterweise beibehielt, dafür aber den Inhalt durch Kürzungenund Entlehnungen aus anderen Quellen veränderte.
Von dem Bilde sagt Seelmann nur, dass es durch seine bur-gundisch - niederländischen Trachten auf ein Vorbild in den Nieder-landen schliessen lasse. Aber auch abgesehen davon, dass wir vonsolchen niederländischen Gemälden jener Zeit nichts wissen, scheintmir jene Annahme überflüssig. Denn die burgundischen Trachtenwaren zu jener Zeit die allgemeine Mode, konnten also auch inLübeck bekannt sein; und selbst eine specifisch niederländischeTracht würde sich auf das einfachste so erklären wie die nieder-ländischen Sprachformen des Textes, nämlich dadurch, dass ein