150
„Vita s. Agritii ... ex traditione imdecumque collegit qus&vel Agritii gestä vel reliquias ab ipso collectas vel historiamTreverensem spectabant, pleraqne fabulosa et quse recentioribusparum se probarunt, sed ideo magni facienda, quod aperte demon-strant, quid tunc temporis de historia antiquiori Treverenses com-pertum habuerint." 1 )
Wenden wir.uns nun zur Frage nach der Abfassungszeitder Doppelvita!
Waitz meint, die Vita s. Agritii sei nach dem Jahre 1050und vor dem Jahre 1072 entstanden; denn darin sei die um 1050angefertigte Vita s. Hildulfi IIP schon benutzt, aber noch nichtder Inhalt der B'leitafel, welche im J. 1072 in der Krypta derTrierer Paulinuskirche erhoben wurde. Derselbe weist dann ins-besondere noch darauf hin, dass der Bericht der Vita s. Agritiiüber das Begräbnis des h. Paulinus durch seinen Nachfolger Felixsich von demjenigen der Bleitafel über denselben Gegenstand sehrunterscheide 2 ). Das Jahr 1050 als terminus a quo für die Ab-fassung können wir nicht in Frage stellen. Aber die Nichterwäh-nung des Inhalts der Bleitafel und der im Texte dieser enthaltenenMeldung über die Bestattung des h. Paulinus erscheint uns alskein ausreichendes argumentum e silentio, um eine Abfassung vor1072 anzunehmen. Denn zur Nichtberücksichtigung des Inhaltsder Bleitafel mochte der Verfasser der Vita s. Agritii als Mönchder Maximinabtei 3 ) seinen doppelten Grund haben.
In dieser Abtei glaubte man schon um das Jahr 1050 —nach Ausweis der Vita s. Hildulfi IIP sich im Besitze der Eeliquienvon dreihundert Märtyrern aus der Thebäischen Legion 4 ); die Eeli-quien des h. Bonifacius als des Anführers dieser 300 rühmte man sichzur selben Zeit — nach dem Zeugnis der Schrift de successoribuss. Hildulfi — im Vogesenkloster Moyenmoutier zu besitzen 5 ). DieExistenz jener Eeliquien in der Maximinabtei und den allgemeinenGlauben daran bezeugt ausser der dritten Vita s. Hildulfi auch die
') Mon. Germ. VIII, 114. — Ähnlich in der Vorrede zum Exoept der Vitas. Agritii S. 211: inter nretiosa historire Treverensis monumenta referri debet.
2 ) Mon. Germ. VIII, 114 mit Anm. 2S ehendort.
3 ) Vgl. unten S. 156.
4 ) Vgl. oben S. 125.
5 ) Mon. Germ. IV. 87 u. 91. — Beissel, Gesch. der Trierer Kirchen I, 226nennt das Kloster „Maymünster'!