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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Verschmächtigung im ganzen und die Vertiefung einiger Muskel-furchen derart, dass sie allerdings an Skelettteile erinnern.

Diesen Eindruck verstärkte er dadurch, dass er an beidenEnden des Oberarms quere Trennungslinien anbrachte, die an Ge-lenke erinnern können, aber dieselbe Bedeutung haben wie diebesprochenen scharflinigen Muskelgrenzen, da sie nicht den wirk-lichen, völlig verdeckten Skelettgrenzen, sondern dem äusseren, topo-graphischen Relief folgen. An der Schulter diente dazu natürlich inerster Linie der Deltamuskel und zwar seine obere Grenze (z. B. in4, 5, 21, 26, 33, 35, 39), die aber an der Vorderseite durch denunteren Rand des Brustmuskels ergänzt wird, der in der Achselfalteden hinteren oder dreiköpfigen Armmuskel überschneidet (21, 26, 35).Auf diese Weise scheint der Oberarm in zwei Enden, eins auf derSchulterhöhe, das andere in der Achselhöhle auszulaufen, was zuden beiden skelettähnlichen Armhälften gut passt (Fig. 87, 88).Da aber auch der ganze Deltamuskel mit seinem unteren Zipfelscharf umschrieben vorkommt (14, Abt), so ist es klar, dass diesermissverstandene" Gelenkkopf des Oberarms ein Seitenstück ist zudenfalsch erratenen" zwei Armknochen.

Notwendigerweise muss ich hier der Danse macabre gedenken,an deren Toten sich ähnliche Trennungslinien an den Gelenkenbefinden. Es mag ja auch sein, dass Holbein durch diese Bilderbeeinflusst wurde; nur ist der Unterschied im Auge zu behalten,dass der Pariser Maler das Skelett gar nicht kannte und durch diescharfe Abgrenzung des Muskelreliefs wahrscheinlich nur das leichen-hafte Hervortreten der Gelenke zu markieren suchte, wogegenHolbein mit aller Überlegung und zu bestimmtem künstlerischenZweck aus dem Muskelrelief eine skelettähnliche Bildung komponierte,dagegen das ihm bekannte Skelett wiederzugeben vermied.

Wesentlich dasselbe wie für den Oberarm gilt auch für dieübrigen Abschnitte des ganzen Arms und für die Beine. Überallsind die Grundzüge der Plastik des Lebenden festgehalten undskelettähnliche Züge ihnen eingefügt, ohne Rücksicht auf das wirk-liche Skelett, das im grossen Totentanz nirgends vollständig ge-zeichnet wurde.

Auf der Dolchscheide hat Holbein an den Gerippen stets beideKnochen des Unterarms angegeben; später hat er ihn in Über-einstimmung mit dem lebenden Arm einfach und nur selten mit der