Druckschrift 
Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192

XIV.

DER GROSSE TOTENTANZ (Taf. 39).

ON den unzähligen Reproduktionen dieses Totentanzes(vgl. Massmann, No. 49)*) eignen sich für eine ein-gehende Untersuchung füglich nur die Originalaus-gaben und deren faksimilierte Nachbildungen. Zu denersteren gehören die sogenanntenProbedrucke" derBilder (s. o. S. 170), dann die mit einem Text versehenen LyonerBuchausgaben (1538 1562; vgl. Woltmann, No. 78, II, 174 f.),endlich die neuerdings von Langlois (No. 35) gebrachten Abdrückevon acht Originalholzstöcken (Papst, Kaiserin, Richter, Arzt, Stern-deuter, Schiffer, Herzogin, Krieger) **).

Von den Faksimileausgaben nenne ich: 1) die Lichtdruck-ausgabe von Lippmann (No. 37) nach dem Berliner Probedruck, mit40 Bildern; 2) Hirths Faksimilereproduktion der ersten Buchausgabevon 1538 (41 Bilder)***); 3) die ScHLOTTHAUERsche Ausgabe in Litho-graphien (No. 62), ohne nähere Angabe der Vorlage, aber zweifellosnach Originalausgaben hergestellt. Sie enthält 53 Blätter, von denenaber die vier Kindergruppen nicht zum Totentanz gehören, so dasszu den 41 früheren Blättern hinzukommen: der Krieger, die Spieler,die Säufer, der Narr, der Räuber, der Blinde, der Kärrner, derSieche. Diese Zahl von 49 Totentanzbildern kommt zuerst in derfünften Lyoner Ausgabe von 1545 vor. In der letzten dieser Aus-gaben vom Jahr 1562 sind noch zwei weitere Holzschnitte hinzu-gefügt , Braut und Bräutigam oder die junge Gattin und der jungeGatte, bisher nur in Weigels Kunstkatalog (No. 74) kopiert.

Es versteht sich von selbst, dass die nach dem vollkommenstenOriginal ausgeführten Lichtdrucke den Vorrang vor den anderen

*) Unter den neueren Litteraturangaben sind wiederum diejenigen von Wessely ganz un-zuverlässig und unbrauchbar.

**) Durch genaueste Vergleiche habe ich die Richtigkeit der Angaben Langlois' (II, ioo),dass jene acht Bilder mit den Originalholzstöcken hergestellt seien, bestätigen können. Dagegenist das neunte Bild, das Wappen des Todes, das nach Langlois ebenfalls original sein sollte, blosseine gute Kopie. Alle diese von Langlois benutzten Holzstöcke sind aber gegenwärtig, wie Nach-forschungen in Frankreich ergeben haben, wieder verschollen.

***) Die englische Faksimileausgabe der HoLBEiN-Society (No. 32) steht vielfach hinter derHlRTHschen Ausgabe zurück.