HANS HOLBEINS TOTENTÄNZE.
AUM hatte Manuel sein Wandgemälde vollendet, alsauch schon der grösste Meister der Totentänze, HansHolbein , mit seinen Schöpfungen begann. Obgleichsie nur als kleine xylographische Blättchen erschienen,waren sie von Anfang an der Gegenstand allgemeinerBewunderung und Anerkennung; dies beweist schon der Umstand,dass sie in mehr als hundert Ausgaben und Nachbildungen jederArt verbreitet worden sind. Was aber Holbeins Werk auszeichnetund ihm den Anspruch sichert, die Entwickelung der Totentanzbilderauf das vollkommenste abgeschlossen zu haben, ist nicht sowohl dievorzügliche Ausführung seiner Bilder, als die Art, wie er den altenGegenstand von Grund aus umgestaltete und dadurch erst in dasGebiet wahrer Kunst erhob. So sprach sich schon Wackernagelaus (S. 363) und hob auch in seiner scharfsinnigen Weise gewisseMerkmale der HoLBEiNschen Bilder hervor, die sie von den altenTotentänzen unterschieden. Über diese allgemeinen Urteile ging eraber nicht hinaus, und soweit ich sehe, auch kein anderer Forscher,der sich mit diesem Gegenstande beschäftigte. Stets wurde dasalte Lob mehr oder weniger schwungvoll wiederholt, der allgemeinenEmpfindung, die die Bilder im Beschauer hervorriefen, mehr oderminder beredter Ausdruck verliehen; ich habe jedoch nirgendsgefunden, dass sie einer eingehenden, hier ganz unerlässlichen Unter-suchung unterzogen wurden.