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eigentümlichsten bezeugt aber Manuel diese seine Neigung zurBildnismalerei in der letzten Gestalt (Fig. 83), indem er sich selbstin der Arbeit an eben diesem Totengemälde darstellt, seine Figuralso aus der Reihe der vorausgehenden Standesvertreter heraushebtund sie schlechtweg zum Bildnis macht.
Noch in einer anderen Richtung verliess Manuel die gewohntenGeleise, in der Bildung der Toten. Wir sahen, wie der GrossbaslerMaler den Eindruck von Leichen zu steigern suchte; ein weitererFortschritt in derselben Richtung wäre die Darstellung vollkommenerSkelette gewesen. Manuel knüpfte aber gerade an das ausgeprägteMuskelrelief und die Gelenkteilungen, namentlich aber an die gelegent-liche Zerfetzung der Muskeln in Gross-Basel an, um wieder durch einseitige Über-treibung ganz neue Gestalten zu schaffen.An Schultern und Brust, an Hüften undSchenkeln fallen die Muskelfetzen in langen,dicht stehenden Fransen und weit über-hängend über jene Körperteile hinab, alswären es Gewandstücke (Fig. 79, 80, 83);und wieder anders gebildet sind die nacktenSchenkelmuskeln auf Blatt IV und XIV, diedurch spirale Schlitze genau so in Bänder zer-fallen wie das Beinkleid des Malers (Fig. 80,83). Vögelin sieht in dieser Behandlungdes Totenkörpers nur ein AuskunftsmittelManuels, um seinen Mangel an allen anato-mischen Kenntnissen zu verdecken (No. 1,S. 93). Da jedoch Manuel, wie ich aus einer kleinen Handzeichnung vonihm ersehe (Fig. 81)*), die nackte Muskulatur des Menschen recht gutkannte, so ist die Absicht bei ihrer Karikierung gar nicht zu verkennen,zumal auch die Bauchrunzeln mancher Toten in einer vollständigenTigerzeichnung erscheinen (Fig. 82), wo doch.von einem Fehler ausUnkenntnis vollends nicht die Rede sein kann. Manuel wollte alsoüber den Ausdruck des bloss Leichenhaften hinausgehen, und es fragtsich bloss, ob er dabei nur an den Effekt des Grauenhaften dachte.
Fig. 81.
Totengestalt eine Erau umarmend,
Handzeichnung von Manuel
in Basel, nach einer Braunschen
Photographie.
•) Das Blatt zeigt einen Toten mit freigelegter Muskulatur, der eine Frau umarmt. Es rindetsich unter den BüAUNschen Photographien und ist in dem BAECHTOLDschen Verzeichnis der WerkeManuels (No. i) unter No. 14 aufgezählt.