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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
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und der liebkosende Bräutigam, der Tote des Herzogs dadurch, dasser ihm die Kette vom Halse reisst, sich als dessen Kammerdienerdarstellen soll, so fehlt mir die Fähigkeit, einer solchen Phantasie zufolgen. Bloss in dem Bilde des Grafen sehe ich die in dieser Arteingekleidete Satire (s. o.), weil die Kopfbedeckung des Toten aufeine Person niederen Standes hinweist, und weil die übertriebengrüssende Bewegung ausser Beziehung zu der sonstigen Thätigkeit derTotengestalten steht. Wie weit Manuel im allgemeinen noch davonentfernt war, den wirklichen Übergang von den einzelnen Paaren desTotentanzes zu echten Lebensbildern zu finden, beweist am deut-lichsten , dass, sowie seine Toten dem überlieferten Tanze treublieben, so auch die Lebenden bei ihm die ebenso traditionellepassive Rolle spielen. Doch mit einem bemerkenswerten Unterschiedgegen Gross-Basel. Dort wie in den Holzschnitten H 2 ist die Ruheoder Resignation, mit der sich die Lebenden dem unerbittlichenGeschick fügen, dadurch motiviert, dass sie als Sterbende dargestelltwerden. Dieses Motiv fehlt in Bern, vielleicht mit Ausnahme desKardinals, während andererseits nur die Mönche und der Narr sichwidersetzen. Die übrigen Lebenden sind geradezu unnatürlich inihrer Passivität, so z. B. der vom Toten gewürgte Doctor theologiae*);und man muss schon die überschwengliche Begeisterung für Manuelhaben wie Grüneisen , um darin einen Vorzug zu sehen. Trotzdemberührt diese Haltung der Lebenden auf dem Berner Bilde nichteigentlich unsympathisch, weil man in den meisten Fällen auch ohnedie ausdrückliche Erklärung, dass alle diese Gestalten Bildnisse vonZeitgenossen Manuels sind, aus den beigefügten Wappen, den indivi-duellen Gesichtern und namentlich aus der repräsentativen Haltungden Eindruck von wirklichen Bildnissen gewinnt, die als solche denKern der einzelnen Gruppen bilden, während die Toten nur inder Art einer Allegorie gewissermassen den drohenden Tod derPerson andeuten sollen, ohne die Bedeutung des Bildnisses zustören, wie dies in eigentlichen Porträts schon damals vorkam(Burckmair) und sich bis zum heutigen Tage wiederholte (Böcklin).Die meisten Scenen**) des Berner Gemäldes sind Belege dafür; am

) Man vergleiche damit den gewürgten Spieler von Hoi.bein (Taf. 8, Fig. 41) oder denTodals Würgengel" von Burckmair.

; ') Ich nenne hier: Ordensritter, Kaiser, König, Kaiserin, Königin, Herzog, Graf, Ritter,Jurist, Fürsprech (Fig. 80), Ratsherr, Kaufmann, Kriegsmann, Witwe, Maler (Fig. 83).