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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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zu dem Ergebnis: i) Das Grossbasler Gemälde hat, mitAusnahme des Predigers und der zwei letzten Bilder und abgesehenvon untergeordneten Korrekturen, seinen ursprünglichen Zu-stand bis zuletzt bewahrt, 2) es ist eine Nachahmungdes Kleinbasler Gemäldes.

Dies führt naturgemäss zu einer Untersuchung über das Alterdes Grossbasler Gemäldes, wobei ich gleich an die zuletzt aus-geführten Vergleiche anknüpfen kann. Es wurde nach dem Vor-bilde in Klingenthal gemalt, als dieses schon eine Ausbesserung er-fahren hatte, also schon seit einer grösseren Anzahl von Jahrenexistierte. Damit ist die Möglichkeit beseitigt, dass beideGemälde auch nur annähernd gleichzeitig entstanden(Burckhardt). Der Grossbasler Totentanz muss vielmehrmindestens um den Zeitraum jünger sein, der zwi-schen der Entstehung und der ersten Ausbesserungdes Klingenthaler Gemäldes lag. Ich habe schon aus-einandergesetzt, dass diese letztere Ausbesserung in die erste Hälftedes 15. Jahrhunderts zu versetzen ist; ferner kann das GrossbaslerGemälde erst nach den vierziger Jahren desselben Jahrhunderts aus-geführt sein, weil die in diesem Zeitraum entstandenen HolzschnitteM 2 und H 2 dort ebenfalls verwertet wurden*). Man kann daher alsuntere Zeitgrenze für unser Gemälde ungefähr die Mitte des Jahr-hunderts annehmen. Die obere Grenze wird wiederum durch dieJahre bestimmt, wann das Beinhaus und seine musizierenden Totenin die französischen Totentänze Eingang fanden. Denn diese Dar-stellung wird höchst wahrscheinlich nicht aus dem schwer zugänglichenFrauenkloster Klingenthal, sondern aus dem öffentlichen Kirchhofdes Dominikanerklosters in Gross-Basel entlehnt sein. Die erstederartige Scene in Frankreich findet sich in den schon einmal er-wähnten Miniaturen, die um 1480 angesetzt werden (Langlois I.Anhang S. 74; Kastner, Fig. 25, S. 143, 203, 253); bestimmtwiederholt sie sich in der zweiten Ausgabe der Danse macabre voni486 (Le Roux de Lincy et Tisserand). Übrigens ist die untere

*) M. 2 mag unter anderem die Vorlage für das Uringlas des Arztes geliefert haben; aus H-stammen wahrscheinlich die folgenden Motive: die Totenfahne beim König (Gr.-B.) vom Koch(H 2 ), die weiblichen Toten der Kaiserin und der Königin (Gr.-B.) von dem Edelmann (H 2 ), derfallende Geldbeutel des Juden (Gr.-B.) vom Kaufmann (H 2 ), dessen trommelnder Toter in demToten des Waldbruders (Gr.-B.) wiederholt wurde (s. S. 131).

Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder. IO