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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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No. 27 39, entfällt, die ich im Klingenthaler Gemälde als einespätere und entschieden geringere Malerei bezeichnete, was derGrossbasler Maler offenbar zu bestätigen scheint.

Wenden wir uns nun zu den Einzelheiten der Abänderungen,zunächst bei den Toten. An ihnen ist der Charakter wirklicher,verwesender Leichen entschiedener wie früher hervorgehoben, durchdie teilweise Entblössung des Skeletts, die zerfetzten Muskeln, diehervortretenden Eingeweide und Ähnliches mehr. Neu ist auch dieEinführung weiblicher Toter, die durch ihre Beziehung zu ihrengleichfalls weiblichen Partnern, der Kaiserin und der Königingewissermassen ihresgleichen den Gegensatz zu dem Tod desSchauspiels am vollkommensten markieren. Diese Neuerung ver-dankt aber Gross-Basel keineswegs dem Berner Meister Manueldurch Klaubers Vermittelung (Wackernagel). Denn weibliche Totekamen schon in den französischen Gemälden und den HeidelbergerHolzschnitten H 2 vor, von denen natürlich nicht jene weit entlegenenUnica in Kermaria und La Chaise-Dieu, sondern diese weit verbreitetendeutschen Holzschnitte die Quelle für Manuel und den Basler Malerwaren; mit dem Unterschied, dass Manuel die weiblichen Totenebenfalls mit Männern, der andere aber mit Frauen verband.Dann ist die ganze Bewegung der Toten in Gross-Basel mannig-faltiger, belebter und selbst leidenschaftlich geworden, der Tanz isthäufiger dargestellt als in Klingenthal*), sowie sie auch häufigerMusikinstrumente oder Abzeichen der ihnen zugeteilten Lebendentragen (Kardinal, Ritter, Arzt, Krüppel, Waldbruder, Pfeifer, Schult-heiss, Narr, Koch).

In ähnlicher Weise hat unser Maler an den Lebenden das ver-stärkt zum Ausdruck gebracht, was in Klein - Basel nur mehr an-gedeutet war, nämlich das durch Neigung des Kopfes oder desganzen Oberkörpers und durch die Erschlaffung der Hände bezeich-nete Sterben. Aber auch sonst wurde meist die Haltung verbessert,natürlicher und verständlicher, der Stand häufiger durch passendeAttribute bezeichnet (Kaufmann, Vogt, Jude, Heide, Heidin, Koch)und die Tracht meist zeitgemäss geändert (Kaiserin Fig. 64, Edel-mann, Edelfrau Fig. 39, Kaufmann, Jüngling Fig. 77, JungfrauFig. 72, Pfeifer, Schultheiss, Vogt, Narr Fig. 41, Jude, Heide, Heidin

*) Sowie Wackernagfx die Grossbasler Totenbeinerner" undrippichter" als ihre Vor-bilder nennt, findet MASSMANN sie tanzender!