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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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(vgl. Fig. 80 und 83 aus dem Berner Totentanz von 15151520und die noch älteren DüRERSchen Passionen), und die spanischeTracht, deren geschlitzte Ärmel und Puffen schon 1493 nicht seltensind (Schedel, Bl. CV, CLXXXIV). Es folgt daraus, dass jeneGrossbasler Trachten der Zeit vor 1493 angehören.

Endlich hat Burckhardt auch an den Totengestalten Belegefür seine Theorie zu finden geglaubt. Bekanntlich hat Massmannzuerst darauf hingewiesen, das drei Tote des Grossbasler Toten-tanzes, beim Waldbruder, beim Narren und beim Koch, auffallendden drei Toten des Ehepaares, der Königin und des Abts imHoLBEiNschen Totentanz gleichen. In dieser unverkennbaren Ähnlich-keit erblickt Burckhardt ohne weiteres die Thatsache, dass Klauberjene Figuren von Holbein entlehnt habe (S. 78, 79) ohne zu beachten,dass Massmann mit demselben Recht der blossen Behauptung sichgerade für das Gegenteil aussprach und dass aus jener Ähnlichkeitdie Frage erst entsteht, ob und wie sie etwa aus den Zeichnungenselbst erklärt werden könne. Beginnen wir mit dem Toten desKochs (Fig. 58). Auf den ersten Blick ist es klar, dass seine Ähnlich-keit mit dem Toten des HoLBEiNschen Abts (Taf. 4,- No. 14) nur eineallgemeine ist; im einzelnen gleicht jeder von ihnen den übrigenTotengestalten seines Cyklus. So besitzt der Tote des Kochs trotzder durchscheinenden Rippen und Wirbel einen fleischigen Unter-körper, dessen Weichteile sich bis zum halben Schenkel fortsetzen,wo sie mit rissigen Rändern aufhören: ein eigentümliches Motiv,das in den Bildern des Ritters (Fig. 37), des Chorherrn und desBlinden wiederkehrt und im Bilde des Ritters auch an den Armenwiederholt ist*). Am Unterschenkel ragt wie beim Toten derKaiserin (Fig. 64) ein abgebrochener dürrer Knochen frei aus denWeichteilen hervor. Diese letztere Bildung, die offenbar von demAnblick eines wirklichen Beinbruchs herrührt, kennt Holbein über-haupt nicht, die hosenförmigen Weichteile am Oberschenkel hat eran der fraglichen Gestalt ebensowenig angebracht; diese hat beiihm ganz glatte Gliedmassen mit den für Holbein charakteristischen,stark ausgeschweiften Gelenklinien, die wiederum in Gross - Basel

*) Burckhardt bemerkt bei dieser Gelegenheit, Holbein habe die Muskelfetzen von Bernentlehnt. Aus einem Totentanzbild, das Kastner (Nr. 34, Fig. 25) nach den Miniaturen der fran-zösischen Handschrift (ca. 1480) kopierte, lässt sich aber ersehen, dass die Toten damals schon mitgenau solchen Fleischfetzen gemalt wurden wie in Gross-Basel.

Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder. 9