Druckschrift 
Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

MB

- 78 -

obgleich die Zeichnung ziemlich roh ist *); die beiden nachweislichmehrfach ausgebesserten Baseler Wandgemälde dagegen enthalteneine "anze Anzahl solcher Verstösse. Sie sind auch häufiger anden Händen als an den Füssen, weil die Füsse in der Regel sichin derselben Richtung darstellen, also den Vergleich miteinanderund die Vermeidung des Fehlers erleichtern, wogegen die Händebei der ausserordentlichen Veränderlichkeit ihrer Haitun" und Latjeund namentlich bei einer grossen Entfernung voneinander denselbenFehler erklärlicher machen, also auch häufiger sehen lassen. Inunseren Baseler Bildern findet er sich ausschliesslich an den Händen;die zahlreichen Verzeichnungen dieser Art, die im Gemälde von LaChaise-Dieu an den Händen und den Füssen vorkommen, beweisen,dass der Ausbesserer in ungewöhnlichem Masse unfähig oder nach-lässig war. Immerhin kann ein solches Verfahren unter besonderenUmständen auch dem Maler einer ganzen Figur passieren. Ein Bei-spiel dafür ist die schon häufig (vgl. Massmann, Burckhardt)besprochene falsche Hand, die der Tote des Arztes in beidenBaseler Gemälden hat (Fig. 60, 61); denn mag sie auch zuerst beieiner Ausbesserung entstanden sein, so ist doch ihre Wiederholungin dem zweiten Bilde jedenfalls durch die Unachtsamkeit des Kopistenverschuldet. Dennoch ist der Fehler erklärlich, weil er wenig auf-fällt; wogegen derselbe Fehler an dem Narren in Klein-Basel, trotzeiner ähnlichen Haltung der Arme wie im ersten Fall, unverzeihlicherscheint, einfach deshalb, weil die falsche Hand den Narrenkolbenhält und dies den ganz verkehrten Handgriff zur Folge hat, was sichgar nicht übersehen lässt und daher auch dem Grossbaseler Malernicht entgangen ist, der in der Kopie Handform und Handgriffrichtig stellte (Fig. 40, 41). Die falsche Hand des Kaufmanns imKleinbaseler Gemälde ist eine ähnliche Sünde eines gedankenlosenAusbesserers.

Die ausserordentliche Entstellung des Halses, der Schulter unddes Arms am Toten des Blinden (Fig. 33) durch eine falschgezogene Umrisslinie erwähne ich hier als Beispiel einer fehlerhaftenRestauration nur deshalb, weil diese Figur, ebenso wie der Narr,der zweiten Hälfte des Klingenthaler Gemäldes angehört, die von dererwähnten Übermalung mit Ölfarben im Anfang des 16. Jahrhunderts

*) Auch in den alten Münchener Holzschnitten des Totentanzes habe ich solche Fehlernicht bemerkt, es aVier versäumt, sie daraufhin besonders zu prüfen.