— 68 —
Nach allem zu schliessen giebt also dieses Exemplar das Originaltreuer wieder als die viel feiner ausgeführte, in den Gesichtern undTotenköpfen abweichende Wiederholung No. 2; deshalb habe ichauch die Bilder jener ersten Kopie in meinen Abbildungen wieder-gegeben und meiner Beschreibung zu Grunde gelegt. Die Verse undder Vorbericht Büchels sind nur in No. 2 enthalten. No. 3 giebtwieder nur die Bilder, ist aber von Wichtigkeit durch die auf einemlosen Blatt hinzugefügte letzte Nachricht Büchels über die Über-malung des Originals und über die darauf befindliche Jahreszahl (S. 6).Nach welchem Exemplar die Umrisszeichnungen in dem Atlas zuMassmanns Buch „Die Baseler Totentänze" angefertigt sind, habe ichnicht feststellen können. Es enthält aber die einzige vollständigeKopie der BüCHELSchen Zeichnungen und der zugehörigen Verse undbleibt daher für das Studium der Baseler Totentänze unentbehrlich.
Das Gemälde befand sich in dem westlichen und nördlichenFlügel des Kreuzgangs, der den inneren Friedhof der Nonnen umgab.Im westlichen Flügel war die erste Hälfte der Bilderreihe bis zumKrüppel enthalten; im nördlichen Flügel folgte dann, nach einemeingeschobenen Bilde der Kreuzigung, die zweite Hälfte vom Wald-bruder bis zur Mutter (s. Tabelle IV). Die erste Hälfte wurde wahr-scheinlich im Anfange des 16. Jahrhunderts mit Ölfarben übermalt(Büchel); die andere zeigte aber noch in unserem Jahrhundert dieursprüngliche Malweise in derben Umrissen mit eintöniger Ausfüllungder Zeichnung und einer rohen Schattierung in „Wasserfarben"(Büchel, Fischer S. ii). Der Boden, auf dem sich die Toten undihre Partner bewegen, ist zwischen zwei horizontalen Linien mit ganzleichter Farbe und gelegentlich einem Schatten angedeutet, sonstfehlt aber jedes weitere Beiwerk wie Luft, Hintergrund, Steine undGras am Boden u. s. w.
Die ganze Bilderreihe besteht aus dem sogenannten „Beinhaus"und 39 Tanzpaaren (s. Tabelle IV). Der einleitende Prediger, diesetypische Figur der französischen und norddeutschen Totentänze, fehltein Klingenthal nicht nur zu Büchel's Zeit, sondern von Anfang an.Birckhardt-Biedermann ist auch dieser Ansicht, hält aber den Aus-fall des Predigers, der in der Vorlage vorhanden gewesen sei, nurfür die Folge eines Raummangels. „Denn links von der ersten Scene,dem Beinhause, war hier sofort eine spitzbogige Thür so nahe, dassselbst das Beinhaus in die Höhe musste gerückt werden, um Raum
Eier
istN;at