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Die Geistlichen und die Weltlichen sind in zwei völlig getrennteReihen geschieden. Beim Prediger beginnt die geistliche Reihe mitdem niedersten Stand, dem Küster, und bewegt sich von links nachrechts bis zu einem Bilde der Kreuzigung, das die Mitte des ganzenReigens einnimmt; hinter diesem Bilde beginnt der weltliche Reigenmit dem Kaiser und beweyt sich in derselben Richtung also vonder Kreuzigung weg, obgleich diese doch ganz offenbar der Mittel-punkt des Ganzen sein soll. Dieswird dadurch vollends bewiesen, dassdieses Bild ebenfalls begleitende Versehat, die ganz deutlich an die An-sprache des Predigers in Reval er-innern , aber Christus in den Mundgelegt sind. Wenn es da heisst: „0Christenmenschen, arme und reiche,seht, wie ich für euch leide und willig-lich gestorben bin. Ihr müsst alle mit
— kommt alle mit mir an den Tanz"
— so ist der Unverstand des Mönchs,dem man diese Neuerung zu verdankenhat, genügend gekennzeichnet*).
Eigentümlich sind die BerlinerTotengestalten. Durchweg feierlichernst einherschreitend und mit einerAusnahme alle nach einer Seite ge-wandt, fallen sie am meisten durchihr mumienhaftes Aussehen auf. Ichmeine damit nicht die übertriebeneMagerkeit, die in Berlin übrigens we-niger durch die hervortretenden Kno-chen, als durch die unnatürliche Schmalheit der Schultergegend unddes Beckens zu illustrieren versucht wurde, sondern die zwei cha-rakteristischen Merkmale wirklicher Mumien, den eingesunkenen (nichtaufgerissenen) Bauch und den eingetrockneten Kopf. An diesem
Fig. 20. Prediger und Teufel aus demBerliner Totentanz, nach Prüfer.
*) Dies erscheint dadurch in keinen) anderen Licht, dass in Gedichten jener Zeit die Vor-stellung, dass Christus den Gläubigen vorspielt und vortanzt, nicht selten wiederkehrt (Wacker.naiü i.S. 314, Schrökk, Totentan/.spriiche in: Germania XII). Denn das Verkehrte liegt nicht in dieserVorstellung an sich, sondern in ihrer Verwendung im Totentanz, wobei die Person Christi mit demTode in eine Reihe gestellt wird.